Bohusleden – im weiten Bogen um Göteborg – Fika und Frischluft Teil 2

Wieder beginnt mein Bericht im Bett. Diesmal im fluffigsten aller von mir bisher erlebten Hotelbetten mitten in Göteborg. Wenn man sich drauflegt, sinkt man sofort in die in Schweden übliche Übermatratze. Also eine dünnere Matratze auf der eigentlichen Hauptmatratze. Die ist dann meist so weich, dass man sich denkt, dass das unmöglich bequem sein kann. Aber ich kann dir sagen: MEGABEQUEM!

So bequem, dass mich bei dem Blick auf meinen halbgepackten Wanderrucksack am Fuße des Bettes, wo auch das winzige Zimmer schon fast wieder endet, eher Unlust ergreift. Wie soll man auch so einen federweichen Daunentraum gegen ein Leben im Dreck tauschen? Dreck, Sonnencreme, Mückenspray, Salz auf der Haut. Vom Schweiß, nicht vom Baden im Meer. Aber nun gut. Nützt ja nüscht. Also raus aus dem Bett, noch ein paar der vom Frühstücksbuffet geklauten Teebeutel und Zuckertütchen in den Verpflegungsbeutel geworfen und los geht die große Tour!

Auch drei Monate Schweden beginnen mit einem einzigen Schritt. Unseren ersten richtigen Wanderschritt setzten wir in Anneberg (wie passend!) auf den Boden der Station, an die uns der Zug aus Göteborg City gebracht hatte. Wir waren FAST am Beginn des Bohusledens.

Aber eben nur fast. Es fehlten noch ungefähr 6 Kilometer, davon einige entlang der Landstraße in sengender Hitze. Ja, auch Schweden hatte die Hitzewelle über Europa erreicht und so schleppten wir unsere Rucksäcke auf Asphalt von Bushäuschen zu Bushäuschen (Bus fuhr nur 2x täglich, oder so).

Endlich konnten wir in den Wald abbiegen und erreichten kurze Zeit später den Trailhead des Bohusledens. Windschutz und Bänke am See. Ein Bild, das uns die nächsten 350 km immer wieder begegnen wird. An diesem ersten Tag war es ein perfektes Plätzchen für die erste Pause mit Tunnbröd (einer Art Fladen) und Käse aus der Tube. So hatte ich es mit vorgestellt! Und doch war ich noch ein bisschen unschlüssig, was ich gerade fühlen sollte. Diese ersten Kilometer waren härter als gedacht. Die Fliegen und (sehr wenigen) Mücken nervten mich. Es war heiß und klebrig. Und ich war einfach noch nicht angekommen. Wie auch! Waren wir doch erst eine Sekunde unterwegs – verglichen zu den drei Monaten, die noch vor uns lagen. Am besten einfach weitergehen. 

Das habe ich mir in den letzten 5 Tagen auf dem Weg immer mal wieder gesagt. Weil der Weg in einem Fort auf und ab geht. Kaum mal ein paar Meter einfach schön brandenburgisch platt geradeaus. Wenn die Mückenspraydusche ihre Wirkung verlor und die Biester anfingen, zu beißen. Oder auch, um mich auf den zähen letzten Etappenkilometern selbst zu motivieren. 

Doch viel viel häufiger, wollte ich einfach stehenbleiben und den Moment in mich einsaugen. “Wie schön es hier ist!” Schon dieser erste Abschnitt des Weges machte mich fassungslos. Ich konnte im wahrsten Sinne nicht fassen, begreifen, verstehen, dass wir hier noch immer nur wenige Kilometer vom Zentrum Göteborgs in die Wildnis eintauchen konnten.

Unfassbar, dass der Wald um uns oft aussah wie gemalt. Wie die Kulisse für einen Hobbitfilm. Besonders die puschelige Wiesenwolle hatte sofort mein Herz gewonnen. Auf Schwedisch heißt das Gras mit dem Wattehut ‚Ängsull‘. Klingt auch ein bisschen nach Engeln, die über die Sümpfe flattern. 

Ein großer Segen waren die tausend Seen, an denen wir hier jeden Tag vorbeikommen, vor allem in den heißen ersten Tagen unserer Tour. Da war es schon echt schwer, nicht in jeden reinzuhüpfen. Eine Etappe fiel ziemlich kurz aus, weil wir bei fast 30 Grad des Öfteren einfach nicht widerstehen konnten und uns quasi schon im Anflug in Richtung See die Kleider vom Leibe rissen und uns in die Fluten stürzten. Nun ja, es war eigentlich meist nicht wirklich ein Stürzen, sondern vielmehr der Versuch selbiges zu verhindern. Die schönsten Badestellen haben oft keinen Sandstrand, der sanft ins Wasser führt, sondern die so wunderbaren, flachen Felsplatten, die auch im Wald allgegenwärtig sind. Und zu diesen mussten wir erstmal vertrauen fassen. Deshalb war unser Springen meist ein Tasten, doch wir wurden von Tag zu Tag mutiger. 

Das größte Wanderglück empfanden wir, wenn wir an einer Übernachtungstelle ankamen, die direkt am See lag. Das taten die meisten, weil See gleich Trinkwasser bedeutet (mit Filter), doch nicht alle waren zum Baden geeignet.

Unsere letzte Etappe war da ein echter Lottogewinn. Vom Weg führte ein schmaler Pfad 200 Meter durch dichten Wald und erst auf den letzten Metern öffnete sich der Blick auf eine Badestelle mit besagten rund-weichen Steinen, einer urigen Feuerstelle und einem nagelneuen Windschutz. Ein bisschen fühlten wir uns wie in einem VisitSweden-Prospekt, nur in ganz echt. Der Himmel war zwar ein wenig bedeckt, aber ein Kvällsdopp war natürlich drin. Diese schwedische Institution bedeutet so viel wie ‚Abendtunk‘, also nochmal schnell reinspringen, bevor der Tag zu Ende geht. 

Unser Tag endete nicht gleich nach dem Dopp, sondern erst durch eine mittelschwere Kriebelmücken-Attacke.

Diese minikleinen Viecher haben sich auf Nathalie gestürzt und sie ziemlich streuselkuchig zugerichtet, während ich nicht einen Biss abbekommen habe! Verrückt! Ich bin fast ein bisschen beleidigt, weil sonst immer ich Mückens Liebling war. Aber gut, ich will mich nicht beschweren, sondern geh mal lieber Schatzi beim Einsalben der Stiche helfen… 

 

Wo wir grad sind? Pausentag in Kungälv! Das Schild vor unserer Unterkunft sagt “Göteborg 22km”. Irgendwas haben wir falsch gemacht. Wir haben schon 72km auf der Uhr. 

Morgen geht´s weiter und nun ‚wird der Weg erst richtig schön‘, wie uns mehrfach versichert wurde. Noch schöner?! Wie soll ich das nur aushalten…

Wenn du (fast) live dabei sein möchtest, gibt´s verschiedene Möglichkeiten:

  • Hier auf dem Blog werden wir regelmäßig reiseberichten und Fotos zeigen.
  • Auf Instagram findest du vor allem Eindrücke von unserem Wanderalltag.
  • Und so richtig mit auf Tour kannst du bei Komoot gehen, wo wir (wenn möglich) jeden Tag unsere aktuelle Tour inkl. Beschreibung und Fotos hochladen.

2 Kommentare zu „Bohusleden – im weiten Bogen um Göteborg – Fika und Frischluft Teil 2“

  1. Hallo! Vielen Dank für deinen coolen Blog! Ich bin übernächste Woche auch in Schweden unterwegs und habe gelesen, dass du das Wasse aus den Seen filterst. Welchen Filter versendest du denn? Und warum kann man nicht in allen Seen baden?
    Liebe Grüße

    1. Anne von LittleRedHikingRucksack

      Hey du,
      wir haben einen ziemlich großen Wasserfilter (MSR Miniworks), den brauchst du nicht für dich alleine. Da empfehle ich dir eher den Sawyer Mini. 😊
      Baden kann man nicht immer, weil es manchmal eher Teiche mit Schilf & Co. drumherum sind. Aber es gibt so viele Seen, da finden sich genug Bademöglichkeiten 😊
      Viel Spaß in Schweden!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top