Reisebericht Schweden Bohusleden
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Wie aus dem Bohusleden das große Bohusleiden wurde – die verflixte zweite Woche – Fika und Frischluft Teil 3

Der Waldpfad spuckt uns endlich wieder auf eine Forststraße und ich möchte mich am liebsten auf den festen, ebenen Untergrund werfen und den wurzel- und steinbrockenfreien Boden küssen.

Am Rand des Forstweges steht ein Schild.

‘Bohusleden’ ist in das Holz gefräst und mit weißer Farbe ausgemalt worden. Ganz neu und ganz schick sieht es aus. ‘Pah,’ denke ich, ‘von wegen Bohusleden!’. “Geht da nicht rein, da ist kein Weg!” möchte ich schreien für all die Wanderer, die nach uns kommen werden. Doch dazu bin zu schwach…

Bohusleden

Die letzten Kilometer hatten durch das Svartedalen Naturreservat geführt und uns einfach fertig gemacht. Schon am Tag zuvor hatten wir die Ausläufer dieses unwegsamen Geländes gestreift und waren zwei Stunden über Wurzeln und Felsen gestolpert, bevor wir unseren Windschutz für die Nacht erreichten. Und genau so ging es am Morgen weiter.

Kein Meter des Weges war gerade. Auf und Ab und immer wieder über Bäume klettern, hohe Steinstufen hoch, lehmige Wurzelwirrnisse wieder runter. Wir kamen quasi nicht voran und doch verging die Zeit. Sechs Kilometer in vier Stunden und noch zehn vor uns. Wie soll man da nicht den Mut verlieren? Da half es auch nicht so viel, dass die Natur um uns rum wunderschön war. Wir konnten sie ja gar nicht bestaunen, weil unser Blick hochkonzentriert auf den Boden gerichtet sein musste, um jede der Schikanen, die der Bohusleden für uns bereit hielt, sturzfrei zu meistern. Ein frisch geduschter und ekelhaft gut gelaunter Mann kam uns mit einer riesigen Tupperdose in der Hand entgegenGEJOGGT! “Was für eine wunderbare Art, seinen Sonntag im Wald zu verbringen.” Hinter ihm schwebte seine perfekt gestylte Freundin mit einem breiten Zahnpastalächeln in der neuesten Fitnessmode und ich hätte kotzen können. Vor Neid auf deren Schwerelosigkeit und weil es einfach sooo anstrengend war…

Bohusleden Svartedalen

Wo ist Nathalie?

Fluchend stolperte ich so vor mich hin und in Wut und Erschöpfung mischten sich Zweifel und Resignation. Wie sollen wir das schaffen? Wenn der Weg so bleibt?! Noch weitere 200 Kilometer? Nein, eigentlich noch weitere 800 Kilometer? Denn wenn wir schon hier unten im Süden mit dem tollen Wetter, nur ein paar kleinen Mücken und ziemlich viel Zivilisation abkacken, wie soll das erst in Norrland werden, wo uns Insektenschwärme jagen werden, es bitterkalt wird und wir uns nicht mal in einen Windschutz flüchten können? Noch weitere 10 Wochen in Dreck und Entbehrung???

Als uns der Waldpfad auf den Forstweg gespuckt hatte, stand mein Entschluss fest: Aus, Ende, ich fahre zurück nach Berlin. Dort kann ich jeden Abend Pizza beim kleinen Italiener um die Ecke essen, die ich mit reichlich Aperol Spritz runterspüle.

Stattdessen bin ich weitergelaufen.

Geflucht habe ich auch in den Tagen danach noch so einige Male. Wenn der Weg bis zur Unkenntlichkeit zugewachsen war, wenn körperhohe Farne mein Gesicht streiften und wenn ich mir die Zecken von den Beinen wischte. Nach Berlin bin ich jedoch nicht gefahren. Wozu auch? Dort kann ich nicht jeden Abend in einen anderen See springen, im Zelt eingekuschelt dem geschwätzigen Buchfink lauschen und am Morgen mit einem heißen Kaffee in der Hand die tanzenden Elfen über dem See beobachten (so sagt man in Schweden, wenn der Morgennebel in Schwaden über Wasser und Wiesen zieht).

Im Moment sind wir auf Wanderpause in Munkedal und haben eine gute Zeit mit Nathalies Family. Einfach in die langen schwedischen Sommertage hineinleben. Das tut grad echt gut!

Doch schon bald geht es weiter. Das letzte Stück vom Bohusleden lockt und ich freu mich drauf! Die verflixte zweite Woche ist geschafft, wir haben weitergemacht und nun steht uns nichts mehr im Wege. Abisko, wir kommen!

Weitere Reiseberichte von unserer Schwedenreise findest du HIER.

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    2 Comments

  1. Uh, ich hab gerade entdeckt, dass ihr unterwegs seid! Wir wünschen Euch noch ganz viel Freude und Sonnenschein!

    Viele Grüße aus dem verregneten Dresden,
    die Marrs

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