Titel Sauerland-Outdoormüllsack

Let´s talk about Müll, Baby – in nachhaltiger Mission unterwegs im Sauerland

Hinweis
Ich durfte das Sauerland im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit dem Sauerland-Tourismus e.V.  besuchen. Alles, was du hier liest, ist jedoch meine ganz eigene, echte und unbeeinflusste Meinung.  Sauerland-Outdoormüllsack

Als wir auf dem Kahlen Asten ankommen, ist der Wanderparkplatz fast leer. Das scheint in den letzten Monaten eine Seltenheit zu sein und liegt wohl an den schwarzen Wolken über uns und der Tatsache, dass es ein später Dienstagnachmittag ist. An Wochenenden ist hier kein Plätzchen mehr zu finden und in den Wintermonaten stauten sich die Autos der Schneedurstigen kilometerweit auf der schmalen Zufahrtsstraße zum Gipfelplateau des zweithöchsten Berges von Nordrhein-Westfalen.  

Auf dem Kahlen Asten - Sauerland-Outdoormüllsack

Auf dem Kahlen Asten in Winterberg

Zusammen mit Sabine Risse vom Sauerland-Tourismus e.V. bin ich unterwegs in Sachen Nachhaltigkeit und Naturschutz. Unsere grüne Tour durchs Sauerland beginnt im Naturschutzgebiet Kahler Asten in Winterberg. 

Müllsammeln auf dem Kahlen Asten im Sauerland

Hier treffen wir Andreas Vogt. Mit einem großen Müllsack in der einen und einer Greifzange in der anderen Hand begrüßt er uns in seinem ‘Revier’. Er ist gerade damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften derjenigen wegzuräumen, die es nicht geschafft haben, ihren Müll aus der Natur einfach wieder mit nach Hause zu nehmen. Und dabei ist Andreas nicht etwa Mitarbeiter der örtlichen Abfallentsorgung. Andreas Vogt ist Ranger auf dem Sauerland-Höhenflug, einem 250 km langen Qualitätsweg. Zusammen mit seinem Kollegen Christoph Nolte kümmert er sich u.a. um die Pflege und Instandhaltung des Wanderweges. Und dazu gehört leider immer häufiger auch das Müllsammeln. 

Andreas Vogt - Ranger auf dem Sauerland-Höhenflug Sauerland-Outdoormüllsack

Andreas Vogt – Ranger auf dem Sauerland-Höhenflug

Äußerst geschickt hebt Andreas mit dem Müllgreifer jeden noch so kleinen und versteckten Zigarettenstummel auf. “Besonders an den Sitzbänken sind die Kippen das Schlimmste.” 

Doch nicht nur Kippen finden wir zwischen den Heidepflanzen, sondern auch alte Glasflaschen, Verpackungen aller Art und – ganz neu im Müllsortiment – diverse Coronaschutzmaterialien. 

Rocky, der freundliche Ranger-Hund, hilft fleißig mit und führt sein Herrchen mit Vorliebe zu einer der absurdesten Müllquellen in der Nähe von Wander- und Spazierwegen: kleine schwarze Plastiktüten gefüllt mit Hundekot. “Hätte ich den Hund mal lieber auf Gold trainiert… mit dem finde ich immer nur Kacke,” kommentiert der Ranger die Schnüffelfähigkeiten seines Vierbeiners, während er kopfschüttelnd mit der Greifzange an einem der Beutel zerrt. Einige der Tüten sind regelrecht vergraben, andere liegen einfach offen am Wegesrand.

Rocky findet leider kein Gold - Sauerland-Outdoormüllsack

Rocky findet leider kein Gold

Andreas selbst hat meist eine kleine Spachtel dabei, mit der er ein Loch buddeln und Rockys Hinterlassenschaften verschwinden lassen kann. Oder er bugsiert die Hundehaufen mit einem schwungvollen Schubs vom Weg in den Busch, wo sie niemanden mehr stören. Vielleicht auch eine Idee für alle anderen Hundebesitzer?

Spachtel statt Plastiksack - Sauerland-Outdoormüllsack

Spachtel statt Plastiksack

Aktiv gegen den Müll im Sauerland – der Sauerland-Outdoormüllsack

Besonders die Reisebeschränkungen der letzten Monate haben viele Menschen in die Natur gelockt, oft auch solche, die sich sonst eher weniger im Grünen tummeln. Mehr Menschen bedeuten leider auch mehr Müll. Und weil es mitten im Naturschutzgebiet nun mal nicht immer Mülleimer gibt, hatten der Sauerland-Tourismus e.V. und ich die Idee, die Wandertouristen einfach mit quietschgrünen Outdoormüllsäcken auszustatten. 

Erhältlich ist der Sauerland-Outdoormüllsack in begrenzter Zahl in den Sauerländer Wandergasthöfen, Touristinfos und auf verschiedenen Hütten und beim Sauerländischen Gebirgsvereins, der ebenfalls an der Aktion beteiligt ist. Auch die Sauerland-Radwelt und die Sauerland-Wanderdörfer unterstützen den Sauerland-Tourismus bei der Verteilung der Müllsäcke. 

Nun gibt es keine Ausreden mehr und jeder kann seinen eigenen Kram wieder mitnehmen und vielleicht sogar den Rangern beim Müllsammeln ein wenig unter die Arme greifen! 

Denn eigentlich ist es doch ganz einfach: Was man in den Wald hinein trägt, sollte man auch wieder mit hinaus nehmen. 

Der Sauerland-Outdoormüllsack

Der Sauerland-Outdoormüllsack

Das Leave-No-Trace-Prinzip ist unter eingefleischten Outdoorfans bekannt und für die meisten selbstverständlich. Keine Spuren zu hinterlassen ist die Devise. Es geht jedoch nicht nur um die richtige Entsorgung von Abfällen, sondern auch darum, sich mit seiner Umgebung vertraut zu machen und ihr mit Respekt und Vorsicht zu begegnen. 

Der Wald und seine Bewohner 

Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, was der Wald eigentlich ist? Klar, er ist für viele Menschen ein Ort zum Draußensein, zum Entspannen, zum Erholen. Doch was ist der Wald, wenn wir die Menschen mal außen vor lassen? Der Wald ist ein riesiges Biotop mit Tausenden von Arten. Die meisten sind so winzig, dass wir sie nicht als Waldbewohner wahrnehmen. Und doch sind sie da und spielen eine wichtige Rolle in diesem besonderen Ökosystem. 

Ich durfte auf unserer Tour durchs Sauerland einige ganz besondere Waldbewohner erleben: die mächtigen Douglasien von Medebach-Glindfeld. Fast 70 Meter sind die Nadelbäume hoch und schon über 120 Jahre alt. Sie werden zurecht Himmelssäulen genannt und gehören zu den Sauerland-Seelenorten. Einst als ‘Versuchskaninchen’ von Förstern gepflanzt, sind sie heute die größten Lebewesen des Sauerlands. 

Die mächtigen Douglasien

Die mächtigen Douglasien

Ehrfürchtig stehe ich vor den Mammutbäumen und muss meinen Kopf ganz tief in den Nacken legen, um die Baumkronen der Douglasien zu beobachten, wie sie sich langsam im Wind hin und her wiegen. Was für mächtige Wunder der Natur! Und was für ein toller Ort, da mitten im Wald. Kurz denke ich, wie toll es jetzt wäre, auf einer dieser Wellenbänke zu liegen, die es überall an den Wanderwegen im Sauerland gibt. Doch braucht dieser Ort das eigentlich wirklich? Es gibt keine Bänke zum Hinsetzen, keine Mülleimer zum Wegwerfen, keine Wurstbude, kein Chichi. Nur die Douglasien. 

Manchen reicht das nicht: “Doch wenigstens eine Bank, doch wenigstens ein Mülleimer, kein Wunder, dass die Leute ihren Müll dann in den Wald werfen.” Sauerland-Outdoormüllsack

Hä? Moment! Wer genau hat denn eigentlich Schuld daran, dass Müll im Wald landet? Die Leute, die keine Mülleimer aufstellen? Oder vielleicht doch die, die ihr Bonbonpapier und ihre Bierpulle nicht wieder mit nach Hause nehmen können?

Die Douglasien von Medebach-Glindfeld

Symbiose im Wald

Im Wald geht es allerdings nicht nur um Müll. Der Wald ist auch nicht nur das Wohnzimmer der Tiere und Pflanzen. Über 40 % des Waldes in Deutschland ist Privatbesitz. Der Wald gehört also Menschen, die von ihm leben, sich um ihn kümmern und dafür sorgen, dass er gesund bleibt. Im eigenen und in unser aller Interesse. Denn der Wald liefert Rohstoffe, ist Klimaanlage und Spa-Bereich zugleich. 

Douglasien im Sauerland

Ich habe an diesem Tag bei den Douglasien viel über das ständige Zusammenspiel im Wald gelernt. Und darüber, wer da eigentlich mit wem Hand in Hand geht. Und wer darunter leidet, dass viele von uns einfach nicht so richtig wissen, wie man sich im Wald verhält. 

Es ist ein ständiger Dialog zwischen Förstern, Jägern, Waldbesuchern und den Bewohnern des Waldes. Alle tragen zum Funktionieren des Systems bei. 

Sophia-Antonia Bir, Besitzerin des Guts Glindfeld  mit Wildverkauf aus eigener Jagd, hat es gut zusammengefasst: 

“Auch wenn jeder sich frei im Wald bewegen darf, sollten wir uns doch immer bewusst sein, dass wir uns im Wohnzimmer des Wildes befinden, das sichere Rückzugsorte braucht. 

Denn wenn Wild gestresst ist, fängt es an, an den Setzlingen zu knabbern. Das wiederum stresst den Wald und somit den Förster, der gerade in Zeiten von Borkenkäfer und Klimawandel um jedes junge Bäumchen kämpft.” Sauerland-Outdoormüllsack

Sophia-Antonia Bir vom Guts Glindfeld

Sophia-Antonia Bir vom Gut Glindfeld

So geht´s – richtiges Verhalten im Wald

Damit wir uns immer mal wieder daran erinnern können, welche Verhaltensregeln es für den Wald gibt, hat der Sauerland-Tourismus in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, u.a. der Bike Arena, die wichtigsten Grundsätze zusammengefasst:

  • Bleibe auf den für dich vorgesehenen Wegen.
  • Verhalte dich vorausschauend und der Strecke und den Begebenheiten angemessen.
  • Passe dein Tempo so an, dass du jederzeit reagieren kannst.
  • Mache dich freundlich und rechtzeitig bemerkbar.
  • Lass andere Naturnutzer gefahrenfrei passieren.
  • Auch der Wald gehört jemandem! Beachte Absperrungen und befolge Anweisungen.
  • Nutze die Wege verantwortungsvoll.
  • Bei Dämmerung meide den Wald.
  • Schone und schütze Tiere und Pflanzen und verhalte dich angemessen.
  • Nimm deinen Müll wieder mit.
  • Führe Hunde nur auf den Wegen oder an der Leine (außer in Gefahrensituationen)

Die Verhaltensregeln im Wald gibt´s sogar als kleines Heftchen für die Hosentasche. Eine super Initiative, wie ich finde! Viele Menschen (und da zähle ich auch mich dazu) wissen einfach viel zu wenig über den Wald. Und Unwissen war schon immer die Wurzel der meisten Probleme. Um das zu ändern, brauchen wir noch mehr Menschen wie Ranger Andreas Vogt und Organisationen und Vereine, die uns lehren, die Natur zu verstehen.

Verhaltensregeln im Wald für die Hosentasche

Verhaltensregeln im Wald für die Hosentasche

Zu Besuch beim Ökopionier Sauerland-Outdoormüllsack

Ganz großes Engagement in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz konnte ich auch bei unserem Besuch auf der Graf Stolberg-Hütte oberhalb der Diemelquelle am Westaufstieg zum Kahlen Pön erleben. 

400 Plätze auf der Terrasse, das ganze Jahr ein Hauptanziehungspunkt für tausende Wandersleute, Mountainbiker und Langlauf-Fans, die eine der schönsten Aussichten im ganzen Sauerland genießen wollen. Das klingt eher nach Massenabfertigung und Übertourismus und wenig nachhaltig. 

Doch was Arndt Brüne da oben geschaffen hat, rockt! Seit 2014 gelingt es ihm jedes Jahr ein wenig mehr, nachhaltige Gastronomie zu betreiben. Ein echter Öko-Pionier! 

Arndt Brüne - Wirt der Graf Stolberg Hütte

Arndt Brüne – Wirt der Graf Stolberg Hütte

Viele seiner angebotenen Produkte sind bio und regional. Die weiten Wege, die Kaffee und Tee zurücklegen müssen, bevor sie hier im Sauerland in der Tasse des Gastes landen, kompensiert Arndt mit einer Spende von 10 Cent von jedem verkauften Heißgetränk an Renaturierungsprojekte. 

Wo es geht, wird auf Plastik verzichtet. Die organischen Abfälle der Hütte werden in einem Tank gesammelt und später nachhaltig und umweltfreundlich in einer Biogasanlage im Nachbarort entsorgt. So konnte Arndt den Restmüll der Hütte von 5 Tonnen auf eine Tonne reduzieren. Strom erzeugt die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Blick auf die Graf Stolberg Hütte

Blick auf die Graf Stolberg Hütte

Zweimal im Jahr geht er selbst mit seinem Team los und sammelt Müll in der Umgebung der Hütte. Hinter dem Haus hat er Blühflächen angelegt und engagiert sich bei der Aktion Willingen summt. Und absolut zurecht ist die Graf Stolberg Hütte von Greentable zertifiziert – einer Initiative für nachhaltige Gastronomie. Sauerland-Outdoormüllsack

Kleine Schritte in Richtung Nachhaltigkeit

Anfangs war seine Arbeit einzigartig, mittlerweile beschäftigen sich immer mehr Wirte und Lieferanten mit dem Thema Nachhaltigkeit. Für Arndt ist es wichtig, dranzubleiben, die Leute immer wieder zu informieren und zu ermutigen. Niemand muss perfekt sein, aber wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, kann viel erreicht werden. 

Im Rahmen meiner Kooperation zum Sauerland-Outdoormüllsack mit dem Sauerland-Tourismus war ich (unter Einhaltung aller aktuellen Corona-Maßnahmen) im Hotel Kleins Wiese untergebracht. Danke für die Gastfreundschaft und das gute Essen. Ich hoffe, dass Sie ihre Türen bald wieder für alle Gäste öffnen dürfen! 

Sauerland-Outdoormüllsack

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