West Highland Way Teil 3
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West Highland Way – Teil 3

Pausenregengrübeltag – Auchtertyre Farm

Nieselregen, Starkregen, Schrägregen. Da war wirklich alles dabei. Und vor allem Dauerregen. Wir hatten unserer Meinung nach alles richtig gemacht und uns entschieden 2 Nächte in Hobbithausen zu bleiben. Wir zelebrierten diesen Pausentag auch erstmal mit einem stundenlangen Frühstück in der Küche des Campingplatzes. Dabei kam uns allerdings auch die Frage, wie es weitergehen sollte. Wie und vor allem OB wir den West Highland Way weitergehen sollten. Es hat sich ja in den letzten Tage schon gezeigt, dass diese Wanderung mit viel Gepäck, in unwegsamem Gelände und bei eigentlich fast nur Regen ziemlich an unsere Grenzen ging. Und nun kam noch eine Sturmwarnung für die nächsten 2-3 Tage dazu. Wir wurden gewarnt, auf keinen Fall im Zelt zu schlafen und so versuchten wir, Unterkünfte zu finden. 

Unser Hobbit-Hüttchen

Unser Hobbit-Hüttchen

 Leider war auf den folgenden Etappen kein besonders üppiges Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten und die, die es gab, waren entweder ausgebucht oder hätten den Rest unseres Urlaubsbudgets in 2 Tagen aufgefressen. Also fielen feste Dächer über unseren Köpfen erstmal aus. Nun ist das mit den Wettervorhersagen immer so ein Sache. Kann man sich darauf verlassen? Oder wird das Wetter am Ende doch gar nicht so schlecht? Der MWIS (Monuntain Wheater Information Service) wurde zu unserem besten Freund, aber konnte uns die Entscheidung doch nicht abnehmen… So verbrachten wir unseren Pausentag grübelnd und planend und am Ende siegte die Vernunft.

Wir entschieden uns am nächsten Tag noch nach Tyndrum zu laufen und dort in den Bus nach Fort William zu steigen. Das Risiko bei Sturmböen um die 150km/h über das Rannoch Moor zu laufen und dann auf vollkommen durchnässten Schwammwiesen zelten zu müssen, war uns doch zu hoch. Vernunft hin oder her, ich war ganz furchtbar bitterlich enttäuscht. Was für eine Niederlage… Fast 2000km bin ich in den letzten Jahren gelaufen und Aufgeben war nie eine Option. Und nun schafften wir nicht mal diesen kurzen popligen West Highland Way. Es fiel mir ganz schwer, das zu akzeptieren und niemandem die Schuld dafür zu geben. Egal, wie sehr ich versuchte, es einfach hinzunehmen und mich auf die noch verbleibenden 2 (!) Wochen Urlaub zu freuen, es blieb einfach in den nächsten Tage eine kleine graue Wolke über mir und meiner Laune.

Cheers and bye bye. – Auchtertyre Farm – Tyndrum – Fort William

Unser letzter Morgen auf dem West Highland Way begann laut. Sehr laut. Ich habe nie verstanden, warum in einigen Unterkünften (konnten wir auch auf unserer USA-Reise feststellen) die Rauchmelder so sensibel eingestellt sind, dass man die nur mal falsch angucken muss und schon fangen sie an zu heulen. Im Frühstücks(!)raum der Farm reagierte die kleine Mimose jedenfalls auf ganz stinknormales Toasten. Und das gleich mehrmals. Das schien aber da auch niemanden zu interessieren, was einen Rauchmelder an sich schon unnötig macht. Wir konnten uns aber schnell mit einem Besenstiel behelfen und dem Lärm ein Ende bereiten. Jedenfalls waren wir dann wach.

Und so konnten wir unsere letzten Kilometer bis Tyndrum angehen. Der Weg war nochmal wunderschön, auch wenn einige Passagen vom Regen so überschwemmt waren, dass wir sie großflächig durch Waldgestrüpp umgehen mussten.

Der Fluss ist der Weg ist der Fluss.

Der Fluss ist der Weg ist der Fluss.

 Vorbei an kleinen Seen und Bächen und diversen Schlachtfeldern, auf denen King Bruce seinerzeit nicht nur eine Niederlage einstecken musste, sondern auch noch sein Schwert verlor.
Das Schwert von Robert the Bruce

Das Schwert von Robert the Bruce

 So hätte es weitergehen können. Idyllische Wege, ein bisschen Geschichte und sogar stellenweise Sonne! Doch die Realität holte uns schnell wieder ein. Gerade als wir Tyndrum erreichten, begann es wieder zu schütten. Nathalie kaufte noch schnell die Bustickets in der Touri-Info und wir verbrachten die Stunde Wartezeit im sehr leckeren gemütlichen RealFoodCafé direkt neben der Haltestelle.

Die Busfahrt war ein bisschen traurig. Wir fuhren durch einige Orte, die wir eigentlich zu Fuß hätten durchlaufen sollen… Ein doofes Gefühl. Aber auch ein Ausblick auf das nächste Mal, wenn wir zurückkommen und den West Highland Way hoffentlich beenden werden. Die Landschaft ist einfach grandios. Kurz nach Kingshouse Hotel bog der Bus ins Glen Coe ab. Es ist eines der bekanntesten Täler Schottlands.

Aus dem Busfenster

Aus dem Busfenster

Historisch ist es ein Tal der Tränen, hier wurde im 17. Jahrhundert der Clan der MacDonalds auf Befehl des Königs im Schlaf niedergemetzelt. Landschaftlich ist es sogar aus dem Bus so dramatisch schön, dass man es kaum beschreiben kann. Diese wilde Schönheit lockte natürlich auch die Filmemacher an und so wurden nicht nur Braveheart und der Highlander, sondern auch James Bond und Harry Potter hier gedreht. 
In Fort William angekommen, hatten wir dann noch einen kleinen Marsch vor uns. Unsere Unterkunft lag ein bisschen außerhalb des Zentrums und natürlich die ganze Zeit bergauf. Aber wir waren ja trainiert von den letzten Tagen, also kein Problem für uns. Wir übernachteten in einer Art Ferienwohnungshostel und hatten das Glück, ganz allein da zu sein und so konnten wir uns in der großen Küche und im Wohnzimmer voll ausbreiten.
Nach einer kurzen Pause sind wir gleich nochmal runter ins Städtchen. Fort William ist eigentlich nicht mehr als eine Einkaufsstraße mit Outdoorgeschäften und Souvenirshops, aber da es die erste größere Ansammlung von Häusern war, die wir seit einer Woche gesehen hatten, genossen wir die städtische Luft und gingen erstmal einen Kaffee trinken und indisch essen.
Meine Laune war aber immer noch nicht so ganz stabil. Die Enttäuschung saß tief und zu sehen, wie die Wanderer hier am offiziellen Endpunkt des WHW ankamen und sich in den Armen lagen, machte es nicht besser. So muss es sein, mit dem Bus nach Santiago de Compostella zu fahren und die ankommenden Pilger vor der Kathedrale zu beobachten.
Und wie sollte es mit uns weitergehen? Wir hatten ja schließlich noch fast zwei Wochen Urlaub vor uns! Nach einigem Hin und Her haben wir uns entschieden, den Great Glen Way bis Inverness zu laufen.
Aber erstmal ans Meer!

Pausentage – Möwen, Meer und Marmeladenscones

Für die nächsten zwei Tage hatten wir nicht so viel geplant. Aber wir wollten gern mit dem Zug ans Meer fahren. Über das berühmte Glenfinnan Viaduct, das die meisten von Harry Potters Schulweg kennen. Im Film rattert eine alte Dampflok über die Brücke und auch die schottischen Touris können sich dieses Erlebnis gönnen. Der Jacobite Steam Train fährt in der Saison zweimal täglich bis ans Meer und zurück. Da uns das ein bisschen zu preisintensiv war, entschieden wir uns für den stinknormalen Scotrail-Zug, der nur die Hälfte kostet, aber öfter und genau die selbe Strecke fährt.

ScotRail nach Mallaig

ScotRail nach Mallaig

Die Fahrt von Fort William nach Mallaig wird als eine der schönsten Zugstrecken der Welt bezeichnet und das kann ich nur bestätigen. Und über das Viadukt zu fahren ist nur eins von den vielen (landschaftlichen) Highlights. Berge, Seen und dann auch fantastische Blicke über das Meer und die kleinen Inselchen vor der Westküste Schottlands.
Glenfinnan Viaduct aus dem Zug

Glenfinnan Viaduct aus dem Zug

Mallaig selbst ist ein kleiner Fischerort, der als Ausflugsziel allein nicht so super viel zu bieten hat, aber für viele der Ausgangspunkt für weitere Touren mit der Fähre auf die Hebriden. So machten wir nur einen kleinen Spaziergang und hatten Afternoon Tea mit Scones und einer Tasse Cullen Skink, ein typisch schottischer Fischeintopf.
Scones und Cullen Skink in Mallaig

Scones und Cullen Skink in Mallaig

Fort William aus dem Zug

Fort William aus dem Zug

Den nächsten Tag verbrachten wir ganz praktisch mit Waschen, Einkaufen und Packen. Denn natürlich ging unsere Reise weiter. Nach Inverness wollten wir schon noch laufen, bevor´s nach Hause geht. Also rauf auf den Great Glen Way!

Meine Packliste für Trekking mit Zelt findest du hier.

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Zwischen Rowardennan und Inversnaid

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