Titel Hildegardweg - Wegweiser

Meet Hildegard – unterwegs auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Inhalt

Hinweis
Ich durfte im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit der Naheland-Touristik GmbH auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg unterwegs sein. Alles, was du hier liest, ist jedoch meine ganz eigene, echte und unbeeinflusste Meinung.  Die mit Stern (*) versehenen Links sind Affiliate Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, du bezahlst aber keinen Cent mehr. 

Blick ins Nahetal vom Hildegardweg

O quam mirabilis! Wie wunderbar! Diese Worte der berühmten Hildegard von Bingen kommen mir sofort in den Kopf, wenn ich an meine Erfahrung auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg zurückdenke. Fast zwei Wochen dauerte meine Pilgerreise durchs schöne Naheland. Der Herbst hatte die Region schon mit seinem goldenen Schleier verziert und ich konnte nicht genug kriegen von den Farben, dem Wind und dem Geruch dieser, meiner liebsten Jahreszeit. Und ich konnte nicht genug kriegen von Hildegard, deren Lebensweg ich Schritt für Schritt von Idar-Oberstein bis nach Bingen am Rhein gefolgt bin. 

Blick auf Idar-Oberstein, Startpunkt des Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderwegs
Blick auf Idar-Oberstein, Startpunkt des Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderwegs

Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg ist noch ein recht junger Pilgerpfad. Vor allem verglichen mit denen zu Ehren von Hildegards männlichen Heiligen-Kollegen in Spanien oder Italien. Der Hildegardweg wurde erst im Jahr 2017 eröffnet und führt seitdem an den wichtigsten Lebensstationen Hildegards von Bingen vorbei. Schmale Wurzelpfade, Weinberge, Burgen, Klöster und Kirchen, kleine Fachwerkdörfer und gemütliche Städte – der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg hat alles, was man zum Pilgern braucht. 

Hildegard von Bingen - Wegweiser auf dem Hildegardweg in Idar-Oberstein

Wer war Hildegard von Bingen?

 

Doch wer genau war denn nun eigentlich Hildegard von Bingen? Mir kamen als erstes ihre Kräuter in den Kopf. Hatten wir nicht alle schon einmal einen Tee, Likör oder eine Salbe in der Hand, die irgendwas mit Hildegard von Bingen zu tun hat? Die sogenannte Hildegard-Medizin ist ihr vielleicht wichtigstes Vermächtnis. Sie trug medizinisches Wissen zusammen und ließ es niederschreiben. Auch wenn nicht alle ihrer Heilmethoden aus heutiger Sicht sinnvoll und gesundheitsfördernd waren, so hat sie doch einen wichtigen Grundstein für die ganzheitliche Betrachtung von Körper und Geist gelegt. Auch zur damaligen Zeit eher heikle Themen wie Sexualität und der weibliche Körper waren keine Tabus für sie, sie war modern und aufgeschlossen. 

Hildegard von Bingen war aber noch viel mehr. Sie war Benediktinerin, Prophetin, Visionärin, Mystikerin, Theologin, Lebenskundige, apokalyptische Predigerin, Komponistin, Kirchenlehrerin, Feministin, Popstar, Revoluzzerin, Chefin und nicht zuletzt auch schon zu ihren Lebzeiten verehrt als Heilige. 

Statue von Hildegard von Bingen vor der St. Hildegard-Abtei in Eibingen - der offiziellen Endpunkt des Hildegardwegs
Statue von Hildegard von Bingen vor der St. Hildegard-Abtei in Eibingen – der offiziellen Endpunkt des Hildegardwegs

Und wahrscheinlich war sie auch eine Kratzbürste, die sich ihrer Macht und ihres Standes (sie entstammt einer Adelsfamilie) sehr bewusst war. Sie hat sich mit Kaiser Barbarossa genauso angelegt wie mit den Päpsten ihrer Zeit. Sie stand unter dem Schutz des Kaisers und war doch seine härteste Kritikerin. Sie hat beraten, gemahnt, gepredigt und von Zeit zu Zeit auch beleidigt. Vielleicht war sie sogar berechnend und ein wenig intrigant. Vor allem aber schien sie besonders in ihren letzten Lebensdekaden furchtlos gewesen zu sein. Zumindest gegenüber Menschen. Und sie ist ihren Weg gegangen. Bis zur Gründung ihres eigenen Frauenklosters.

Unterwegs auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg durch herbstliche Wälder

Unterwegs auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Diesem so spannenden und inspirierenden Lebensweg folgt der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg. Von ihrem (wahrscheinlichen) Geburtsort Niederhosenbach über den Disibodenberg, wo Hildegard die längste Zeit ihres Lebens verbrachte, zurück zu ihren Anfängen in der geistlichen Welt auf der Burg Sponheim und dem zu ihren Lebzeiten gebauten Kloster Sponheim bis zum Rupertsberg in Bingen, wo sie ihr eigenes Kloster gründete. Den Höhepunkt bildet die Abtei St. Hildegard in Eibingen auf der anderen Rheinseite, in welcher noch heute die Schwestern im Andenken an Hildegard von Bingen leben und wirken. 

Informationstafel auf dem Hildegardweg
Informationstafel auf dem Hildegardweg

Unterwegs findest du auf 59 Informations- und Meditationstafeln immer wieder Wissenswertes über Hildegard von Bingen sowie Impulse für kurze Momente der inneren Einkehr. Dafür wurden an einigen Stellen sogar Meditationsstellen eingerichtet, an denen du Platz nehmen kannst, um die Orte und den Weg ganz in Ruhe auf dich wirken lassen kannst. Achtung Spoiler-Alarm: Auf der Webseite zum Hildegardweg findest du alle 59 Tafeln zum (Vor- oder) Nachlesen. 

Eine von 59 Informations- und Meditationstafeln auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Reiseplanung für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Beste Reisezeit für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Das Naheland hat in jeder Jahreszeit seinen Reiz. Im Frühling kannst du der Natur beim Erwachen zusehen, im Sommer hängen die Weinreben voll mit reifen Früchten und die Wiesen blühen und surren. Ich selbst war im Herbst unterwegs und glaube (ganz subjektiv), dass es die vielleicht schönste Zeit für diese Region ist. Die Wälder strahlen mit den leuchtend gelbrotorangenen Weinbergen um die Wette und die Temperaturen sind perfekt zum Wandern. 

Goldener Herbst im Nahetal auf dem Hildegardweg

Dauer und Länge des Hildegardwegs

 

Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg ist 134 Kilometer lang und kann in 8-10 Tagen begangen werden. Der Start ist in Idar-Oberstein, das Ende in Bingen am Rhein. 

Idar-Oberstein bei Nacht - Startpunkt Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Idar-Oberstein bei Nacht – Startpunkt des Weges

Anreise zum Hildegardweg

 

Sowohl der offizielle Startpunkt in Idar-Oberstein als auch das Ende der letzten Etappe in Bingen am Rhein sind sehr gut mit dem Zug zu erreichen. Da es sich um eine Streckenwanderung handelt, empfehle ich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Solltest du dennoch mit dem Auto anreisen wollen, so kannst du entweder in Idar-Oberstein (Park-Info) oder Bingen (Park-Info) parken und mit dem Zug zum Start- bzw. Endpunkt fahren. 

Bingen - wo die Nahe in den Rhein fließt und Endpunkt des Hildegardwegs
Bingen – wo die Nahe in den Rhein fließt und Endpunkt des Hildegardwegs

Unterkünfte auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Die Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Hildegardweg sind so bunt wie das Herbstlaub in den Wäldern – von der familiengeführten Winzerpension über schicke Stadthotels bis zu rustikalen Gästezimmern in der Dorfwirtschaft. 

Auf der Webseite des Hildegardwegs findest du eine Übersicht über alle Unterkünfte am Weg. Anders als auf z.B. den spanischen Pilgerwegen ist es dringend zu empfehlen, dein Bett vorher zu reservieren. Sollte in deinem geplanten Etappenziel einmal kein Zimmer mehr zu kriegen sein, bieten die meisten Unterkünfte auch einen Transfer an. Sie holen dich am Abend ab und bringen dich am nächsten Morgen zurück zum Startpunkt. Alles ganz unkompliziert.

 

Hier geht´s zu den Unterkünften auf dem Hildegardweg

 

Hast du keine Lust auf Planungsstress? Dann gib diese Aufgabe einfach in die erfahrenen Hände der Mitarbeiter:innen der Naheland-Touristik, die für dich die Organisation der Zimmer (immer mit Frühstück und Lunchpaket), Transfers und ggf. Gepäcktransporte zu einem sehr fairen Preis übernehmen. Im Voraus bekommst du alle Infos und Voucher für deine Unterkünfte und du kannst dich ganz auf deinen Pilgerweg konzentrieren. 

 

Hier geht´s zu den Pilger-Pauschalen für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg 

 

Verpflegung auf dem Hildegardweg

 

Leider sind die Einkehrmöglichkeiten auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg je nach Etappe, Wochentag und Jahreszeit manchmal recht rar gesät. In den größeren Orten am Weg gibt es meist eine Gaststätte oder ein Café, doch ist nicht immer klar, dass diese auch geöffnet haben. Aber mach dir keine Sorgen, du wirst nicht verhungern. An den Etappenzielen gibt es immer eine Essensmöglichkeit am Abend, häufig sogar direkt in der Unterkunft. Sollte es im Ort keine Restaurants o.ä. geben, bereiten die Gastgeber:innen ein einfaches (und leckeres) Essen für dich vor. Am besten fragst du direkt bei der Buchung nach, wie die Einkehrsituation vor Ort ist.

Alle Unterkünfte bieten zudem ein reichhaltiges Frühstück und du kannst dir ein Lunchpaket dazu buchen. Dieses stellst du dir meist selbst am Frühstückstisch zusammen. Nachhaltigkeitstipp: Bring dir eine leichte Brotdose mit, dann kannst du Verpackungsmüll sparen. 

Verpflegung unterwegs auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg - knallrote Äpfel am Baum
Wenn der kleine Pilgerhunger kommt – je nach Jahreszeit gibt´s Natursnacks auf dem Hildegardweg

Ausrüstung für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Da du auf dem Hildegardweg in komfortabel ausgestatteten Unterkünften schläfst, brauchst du in der Regel nicht viel mehr als die Kleider, die du zum Wandern trägst und eine Garnitur für abends sowie Schlafsachen. Ich empfehle dir Kleidung, die du auch am Abend schnell einmal durchwaschen kannst und die über Nacht trocknet. 

Beim Thema Schuhe ist eines besonders wichtig: Deine Wanderschuhe sollten auf keinen Fall zu schwer und fest sein. Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg ist sehr einfach zu gehen und ich empfehle dir stabile Halbschuhe mit gutem Profil oder Trailrunner (Kaufempfehlung*). Bergstiefel sind hier fehl am Platz. 

Leichte und bequeme Schuhe und Wanderstöcke für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Leichte und bequeme Schuhe und Wanderstöcke – mein Rezept für bequeme Pilgerwanderungen

Solltest du dir unsicher sein, schau dir gern nochmal meine Packliste für Jakobswege und Mehrtagestouren an. Der dort angegebene Schlafsack und ein Handtuch ist für den Hildegardweg aber nicht nötig, da du Handtücher, Bettwäsche & Co. vor Ort in den Unterkünften findest. 

Achte auch bei der Wahl deines Rucksackes auf Größe und Gewicht. Weniger ist mehr und dein Rucksack braucht für diese Pilgertour nicht mehr als 30-35 Liter Fassungsvermögen. 

Wenn du lieber nur mit einem kleinen Tagesrucksack auf dem Hildegardweg unterwegs sein möchtest, gibt es die Möglichkeit eines Gepäcktransports von Unterkunft zu Unterkunft. Frag am besten einfach direkt bei der Buchung in den Unterkünften nach oder bei der Naheland-Touristik.

Mit dem Wanderrucksack unterwegs auf dem Hildegardweg

Kartenmaterial und Orientierung

 

Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg ist im Prinzip sehr gut markiert. Im Prinzip. Denn leider kommt es immer wieder vor, dass Wegweiser geklaut oder verdreht werden. Da der Weg allerdings häufig parallel zu anderen Wanderwegen (z.B. Saar-Hunsrück-Steig, Nahehöhenweg, Soonwaldsteig etc.) verläuft, kannst du dich im Zweifel auch oft an deren Markierungen orientieren und meist blitzt dich dann schon bald wieder die Hildegard vom nächsten Baum an. Um ganz sicher zu gehen, kannst du dir die GPS-Daten auf dein Handy oder ein GPS-Gerät laden. Auf der offiziellen Webseite des Hildegarwegs ist die komplette Tour (in Zusammenarbeit mit Outdooractive) verfügbar. Dort kannst du dir auch die einzelnen Etappen anschauen und herunterladen oder die GPX-Datei für den kompletten Weg. 

Wegweiser auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Solltest du gern lieber ‘etwas in der Hand halten’, dann hast du die Möglichkeit, die einzelnen Etappen auch (inkl. Kartenabschnitten) als PDF herunterzuladen und ggf. sogar auszudrucken. 

Hier geht´s zu den Etappen mit GPS-Daten und Druckversion 

 

Simone vom Blog ‘Other Shoes’ hat einen E-Book-Pilgerführer mit vielen praktischen Tipps geschrieben, den du HIER erwerben kannst. 

Wegmarkierung auf dem Hildegardweg

Pilgerfolklore auf dem Hildegardweg

 

Pilgerpass und Stempel

Wie es sich für einen richtigen Pilgerweg gehört, kannst du auch auf dem Hildegardweg Stempel sammeln. Den Pilgerpass gibt´s online im Naheland-Shop (2 Euro + Versand), oder auch in den Touri-Infos am Weg (z.B. in Idar-Oberstein), allerdings bist du dann abhängig von den Öffnungszeiten. Ich empfehle dir also die Bestellung im Voraus. Bei der Buchung einer Pauschalreise ist der Pilgerpass schon mit dabei.

Pilgerstempel und Pilgerpass auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Stempel kannst in jeder Unterkunft bekommen, aber auch unterwegs an wichtigen Stationen in Hildegards Leben (an Burgen, Kirchen, Klöstern etc.). Den letzten Stempel gibt es dann im Inforaum des Klosters St. Hildegard in Eibingen.

Hier geht´s zum Pilgerpass für den Hildegardweg

 

Pilgerbuch

Das Pilgerbuch von Anette Esser ist weniger ein klassischer Wanderführer als vielmehr ein spiritueller Begleiter deiner Pilgerreise. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Etappenbeschreibung und wird ergänzt mit dem Inhalt der Informationstafeln, an denen du auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg vorbei kommst. Außerdem kannst du hier Geschichten über das Leben Hildegards lesen und dich eingehend mit ihren Lehren und ihrem Wirken beschäftigen. Auch gibt es für jeden Tag kurze Impulse in Form von Pilgerfragen, die zum Nachdenken anregen und die Gedanken fließen lassen sollen. 

Das Buch ist nicht ganz leicht. Gewichtsmäßig, aber auch vom Inhalt her. Dennoch fand ich es sehr schön, immer wieder Infos und Ideen rund um den Hildegardweg und die spirituelle Komponente des Pilgerns zu bekommen. 

Hier geht´s zum Pilgerbuch für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Pilgerbuch als spiritueller Begleiter zum Hildegardweg

Literatur/Filme/Musik

Kaum eine Heilige wurde so häufig zum Inhalt von literarischen Werken, Filmen oder Musik. Da sind natürlich zum einen ihre eigenen Bücher, die ihre Aufzeichnungen zu ihren Visionen und ihr medizinisches Wissen enthalten. Zum anderen gibt es aber auch eine Fülle an Romanen, die sich mit dem Leben von Hildegard beschäftigen. 

 

Einige Empfehlungen: 

 

 

 

Musik spielte in Hildegard von Bingens Leben eine wichtige Rolle. Sie selbst hat 159 Lieder und somit den perfekten Soundtrack für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg geschrieben. 

Hier bekommst du einen Eindruck von Hildegards musikalischem Werk (YouTube)

Hildergard von Bingen - Wandgemälde in der Abtei St. Hildegard

Wissenswertes 

Einen tollen Abschluss für deine Pilgerwanderung auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg bildet ein Besuch des Museums am Strom in Bingen. Dort findest du eine sehr schön aufbereitete Dauerausstellung zum Leben und Wirken Hildegards und kannst dir im ‘Hildegarten’ die von ihr beschriebenen Heilpflanzen in ganz echt anschauen. Die vielen kleine Ruheplätzchen mit Bänken sind der perfekte Ort, um deine Zeit auf dem Hildegardweg noch einmal Revue passieren zu lassen. 

P.S.: Unbedingt an der Kasse nach dem schönen Pilgerstempel fragen! 

Hier geht´s zum Museum am Strom

Museum am Strom in Bingen - eine interessante Station auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Museum am Strom in Bingen am Rhein

Etappenplanung für den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Es ist eine wunderbare Erfahrung, den Hildegardweg von seinem Start in Idar-Oberstein bis zum Ende in Bingen am Rhein / Eibingen am Stück in 9-10 Tagen am Stück zu wandern. Sollte dir dies nicht möglich sein, so kannst du den Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg jedoch auch sehr gut in zwei Abschnitte einteilen und nach und nach gehen. 

Der erste Abschnitt führt dich in 5-6 Etappen von Idar-Oberstein nach Staudernheim/Disibodenberg und verläuft durch die bergigen Ausläufer des Hunsrück. Das Kloster auf dem Disibodenberg bietet dabei einen perfekten Zwischenhöhepunkt und somit eine gute Möglichkeit, deinen Pilgerweg hier zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukehren. 

Genauso gut kannst du jedoch auch auf dem Disibodenberg beginnen und in 4-5 Etappen bis nach Bingen am Rhein laufen. Der zweite Abschnitt des Hildegardwegs führt dich dann in die Weinlagen des Nahelands und hat seinen Höhepunkt im Kloster Eibingen, wo der Geist von Hildegard von Bingen lebendig gehalten wird.   

Die Ruinen des ehemaligen Bendiktinerklosters auf dem Disibodenberg - ein Höhepunkt auf dem Hildegardweg
Die Ruinen des ehemaligen Bendiktinerklosters auf dem Disibodenberg – ein Höhepunkt auf dem Hildegardweg

Das bewegte Leben der Hildegard von Bingen – eine kurze Biografie

 

Hildegard von Bingen wuchs als das zehnte Kind ihrer Familie für die damalige Zeit sehr behütet auf. Wo genau sie im Jahr 1098 geboren wurde, ist noch immer nicht zweifelsfrei klar. Heute geht man jedoch davon aus, dass der Sitz ihrer Familie in Niederhosenbach auch ihr Geburtsort war. Sie war schon damals ein eher kränkliches Mädchen und zudem geplagt von Visionen, die sie als Dreijährige nur schwer einordnen konnte.

Die im Mittelalter übliche Abgabe des Kirchenzehnts beschränkte sich nicht nur auf ein paar Säcke Korn, sondern betraf auch den Nachwuchs vor allem adliger Familien. Und so kam es, dass Hildegard schon im Alter von 8 Jahren als Geschenk an Gott in geistliche Obhut gegeben wurde. Jedoch nicht wie lange angenommen direkt ins Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg, sondern vermutlich zuerst auf die Burg Sponheim, wo die kleine Hildegard von der nur wenige Jahre älteren Jutta von Sponheim im Glauben und anderen wichtigen geistlichen Fragen unterwiesen wurde. Zwischen den beiden entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, auch nachdem sie gemeinsam um die Aufnahme im Kloster Disibodenberg baten.

Viel ist nicht mehr übrig von Hildegards ehemaligen Wohnort im Kloster auf dem Disibodenberg - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Viel ist nicht mehr übrig von Hildegards ehemaligem Wohnort im Kloster auf dem Disibodenberg

Auf dem Disibodenberg verbrachte Hildegard den größten Teil ihres Lebens. Zunächst als enge Vertraute und Schülerin von Jutta von Sponheim. Nach deren Tod übernahm sie das Amt der Äbtissin und leitete das dortige Frauenkloster. 

Erst im Alter von 38 Jahren bekannte sie sich zu ihren Visionen und begann diese mit Hilfe ihres engen Vertrauten Mönch Volmar aufzuzeichnen und damit an die geistliche Öffentlichkeit zu gehen. Vermutlich war es ihr Adelstitel, der sie davor bewahrte, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Vielmehr verstand sie es gut, die großen Kirchenherren von sich und der Glaubhaftigkeit ihrer Visionen zu überzeugen. 

Ein Bild von Hildegards Visionen auf einer der Info-Tafeln auf dem Hildegardweg
Ein Bild von Hildegards Visionen auf einer der Info-Tafeln auf dem Hildegardweg

Von da an war Hildegard von Bingen eine oft konsultierte und angesehene Prophetin, die sich selbst als ‘Posaune Gottes’ bezeichnete. Ihr Handeln und ihr Ruf machten sie zu einem heiligen Popstar und immer mehr junge Frauen wollten ihre geistliche Ausbildung in ihre Hände geben.

Bald wurde es eng in der Frauenklause des Klosters auf dem Disibodenberg und so reifte in Hildegard der Wunsch und schließlich der Entschluss, ihr eigenes Frauenkloster zu gründen. Abt Kuno, der Chef vom Disibodenberg, war zunächst alles andere als begeistert. Er sah seine Felle und den Reichtum davonschwimmen, der nicht zuletzt durch Hildegards Berühmtheit in die Kassen des Klosters gespült wurde. Doch Hildegard war wild entschlossen und konnte mit einigen klugen Schachzügen schließlich ein Stück Land in der Nähe von Bingen für ihr neues Kloster gewinnen. Mitsamt aller Schwestern und deren Mitgift, die die Familien für ihre Töchter an das Kloster zahlen mussten, machte sie sich also auf den Weg zum Rupertsberg, wo in den nächsten Jahren Hildegards neue Wirkungsstätte entstand.

Das Leben auf der Klosterbaustelle war jedoch nicht nach der Vorstellung aller Schwestern und so verließen einige Hildegard schon vor der Fertigstellung. Hildegard jedoch brachte das Kloster auf dem Rupertsberg zum ‘Blühen’ und ihr Ansehen nahm stetig zu. Im Jahr 1165 soll sie auch noch die Leitung eines zweiten Klosters auf der anderen Rheinseite in Eibingen übernommen haben, bis sie 1179 im Alter von 82 Jahren starb. Und auch wenn nicht ganz klar ist, ob diese Geschichte stimmt, sehen sich die Nonnen, die noch heute in der St. Hildegard-Abtei in Eibingen leben, als direkte Nachfolgerinnen der Schwestern vom Rupertsberg und halten das Vermächtnis von Hildegard von Bingen mit viel Leidenschaft und Schaffenskraft hoch. 

Abtei St. Hildegard in Eibingen im Nebel
Abtei St. Hildegard in Eibingen im Nebel

Meine Erfahrungen auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

Etappe 1 – von Idar-Oberstein nach Herrstein (19km / 850m hoch / 800m runter)

 

Die Geräusche der Stadt und das Rattern der LKW wird immer leiser, mein Atem mit jeder Treppenstufe, die ich nach oben klettere, immer schwerer. Schön raus aus dem Bett und den Puls gleich mal auf 180 treiben. Puh…

Der Start meiner Pilgertour auf dem Hildegardweg ist schweißtreibend und befreiend. Endlich wieder mit dem Rucksack unterwegs. Ok, so lange ist das letzte Mal gar nicht her… Aber nach einem Sommer mit täglichem Wandern, sind schon ein paar Wochen ohne genug.

Blick auf die Felsenkirche in Idar-Oberstein Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Blick auf die Felsenkirche in Idar-Oberstein

Der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg folgt momentan einer kleinen Umleitung, da die berühmte Felsenkirche von Idar-Oberstein leider umgangen werden muss. Es besteht erhöhte Steinschlaggefahr und die Felsen müssen aufwendig gesichert werden. Und so geht es durch verschiedene Gässchen und über Treppen immer weiter nach oben. 

Nach dem Aufstieg kommt ja bekanntlich (und glücklicherweise) die Belohnung. Und was für eine! Die Edelsteinstadt Idar-Oberstein liegt vor mir mit ihrer Mischung aus uralten Fachwerkhäusern und leicht angegilbten 70er-Jahre-Bauten. Umringt wird sie von herbstlich gefärbten Wattebauschbäumen in allen möglichen Rotorangetönen, die in der Morgensonne glühen.

Morgenstimmung über Idar-Oberstein - Hildegardweg

Ich glaube, schon da habe ich mich in den Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg verliebt. Und dann das nächste Mal, als ich das Schloss Oberstein entdeckt habe, dass, auch im Herbstgewand, auf seinem Felsen thront und den selben Blick genießt, wie ich gerade.

Schloss Oberstein thront über Idar-Oberstein auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Nach dieser spektakulären Aussicht bin ich erstmal in den Wald eingetaucht. Es ging hoch und runter und ich war froh, dass ich so gut im Training war. Frisch von der Couch zum Pilgern ist diese erste Etappe sicher eine viel größere Herausforderung. Aber auch eine wunderschöne! Und habe ich die Herbsttöne erwähnt?  

Auf dem Weg mache ich mir immer wieder Gedanken über die Frau, der dieser Pilgerweg gewidmet ist und auf deren Spuren ich mich in den nächsten 9 Tagen bewegen werde. „Was weiß ich und was denke ich über Hildegard von Bingen? Warum möchte ich den Hildegardweg pilgern?“ Das ist die erste Frage im Pilgerbuch von Anette Esser, dass den Weg begleitet. 

Ich wusste vorher ehrlich gesagt nicht so wirklich viel über Hildegard. Aber ich freue mich sehr darauf, endlich einmal den Spuren einer Heiligen zu folgen, die keine Kreuzzüge geführt und tausende von Menschen getötet hat, wie viele der anderen heiliggesprochenen Pilgerwegbegründer. Sie war auf jeden Fall eine starke Frau, die sich angelegt hat und ihren Weg gegangen ist. Ich bin gespannt, sie kennenzulernen!

Blick auf Herrstein - Etappenziel auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Blick auf Herrstein

Das Wetter meint es gut mit mir und ich komme (fast) trocken in meinem Etappenziel Herrstein an. Erst kurz vor Ende beginnt es zu regnen und ich bin sehr froh über das gemütliche Zimmer und das leckere Essen am Abend. 

Meine Unterkunft: 

Übernachtet habe ich im Café Zehntscheune in Herrstein. Das urige Fachwerkgebäude diente früher den hohen Herren der Region zur Aufbewahrung der Zwangsabgaben der Bauern, die einen Zehnt ihres Ertrages als eine Art Steuern entrichten mussten.

Café Zehntscheune - erstes Etappenziel auf dem Hildegardweg
Café Zehntscheune – erstes Etappenziel auf dem Hildegardweg

Heute kann hier übernachtet und geschlemmt werden. Besonders zu empfehlen ist die leckere Kuchenauswahl und die gefüllten Klöße, die wirklich jeden Pilgerhunger stillen können.  

 TIPP:  Wer es ein bisschen ruhiger angehen lassen möchte, kann diese erste doch recht herausfordernde Etappe teilen und schon nach der Hälfte der Strecke in Fischbach übernachten. 

 

Etappe 2 – von Herrstein nach Kirn (16km / 280m hoch / 400m runter)

 

Meine zweite Etappe auf dem Hildegardweg begann mit Zweifeln. Überall in Deutschland schien ein Sturm zu wüten und auch vor meinem Fenster in der Pension flatterte und wackelte alles. Ich entschied mich also, meinen Start ein wenig nach hinten zu verschieben und wenigstens den gröbsten Regen abzuwarten. Das fiel mir auch nicht sonderlich schwer, denn das Frühstück in der Zehntscheune war nicht nur sehr lecker, sondern wurde auch vor einem gemütlich-knisternden Kamin serviert. Das Losgehen bei Niesel und Wind hat mich dann doch einiges mehr an Überwindung gekostet. 

Zum Glück führte der Weg heute zwar stellenweise durch Wald, aber nicht auf so schmalen Pfaden wie gestern. Oft ging es über Felder und Wiesen, wo der Wind zwar spürbar war, ich aber nicht bei jedem Schritt Angst hatte, dass mir ein Baum auf den Kopf fällt.

Auf de Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg hinter Herrstein

Meine Mission „Hildegard von Bingen besser kennenlernen“ brachte mich heute nach Niederhosenbach. Dieser kleine Ort ist vielleicht wahrscheinlich der Geburtsort von Hildegard. Ganz zweifelsfrei kann man das aber nicht wissen, da es keine wirklich gesicherte Quelle gibt. Aber immerhin deuten die meisten Zeichen darauf hin.

An dem Platz, wo heute die Kirche von Niederhosenbach zu finden ist, soll früher der Familiensitz von Hildegard von Bingen gestanden haben. Die hier eigens für die Pilger des Hildegardwegs eingerichtete Meditationsecke war der perfekte Platz für ein Päuschen. Und ein paar Infos über Hildegard. So erfuhr ich aus meinem Pilgerbuch, dass Hildegard als zehntes von zehn Kindern wohlbehütet aufwuchs, bis das etwas kränkliche Mädchen schon mit 8 Jahren in die Obhut der Kirche übergeben wurde. Wow. So jung. Das waren echt andere Zeiten damals. 

Die Kirche von Niederhosenbach auf dem Hildegardweg
Die Kirche von Niederhosenbach

Nach den Wäldern, Wiesen und Feldern änderte sich gegen Ende der Tour die Landschaft noch einmal komplett. Ich lief in einem grünen Tunnel entlang eines kleinen Baches immer weiter Richtung Kirn. Als sich der Blick öffnete und die Stadt vor mir lag, schien die Sonne, ein ordentlicher Regenguss ging runter und ein wunderschöner Regenbogen spannte sich über die Altstadt. Danke für diesen schönen Willkommensgruß, Kirn!

Regenbogen-Blick auf Kirn - Etappe 2 auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Meine Übernachtung: 

Die zweite Nacht auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg verbrachte ich im Hotel Alte Kellerei in Kirn, das zentral am Fuße der Kyrburg liegt. 

 TIPP:  Hoch über den Dächern von Kirn thront die Kyrburg, die auf jeden Fall einen Abstecher wert ist. Den kleinen Spaziergang kann man prima mit einem Abendessen im Restaurant Kyrburg verbinden. Im Sommer hat man von der Terrasse einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und in den kälteren Jahreszeiten kann man gemütlich am Kamin das hervorragende Essen und guten Wein (oder ein Kirner Bier) genießen.  

Kyrburg bei Nacht - Essen auf dem Hildegardweg
Die Kyrburg bei Nacht

Etappe 3 – von Kirn nach Monzingen (18km / 485m hoch / 500m runter)

 

Etappe drei führte mich raus aus Kirn und erstmal wieder steil bergauf über die Stadt. Der Morgen war einfach perfekt zum Wandern. Knackig kalt und strahlender Sonnenschein. Das Gras und die Blätter waren noch mit Reif bedeckt und glitzerten in der Sonne.

Morgenstimmung in Kirn - Start von Etappe 3 auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Morgenstimmung in Kirn

An diesem Tag warteten gleich mehrere Highlights an der Strecke auf mich. Nur einen kurzen Abstecher vom Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg entfernt war besonders die kleine Stiftskirche St.Johannisberg ein Ort der Ruhe für mich. An einem alten, knorrigen Baum im Kirchgarten aß ich meine Mittagsstulle mit Blick auf das Nahetal. Um die Ecke von der Kirche kannst du von der Aussichtsplattform, die über die Klippen eines alten Steinbruchs hinausragt, einen luftigen Blick auf die Schleifen der Nahe werfen. Der ‘Nahe-Skywalk’ ist aber nur was für Schwindelfreie, denn der Boden ist quasi bodenlos und du bewegst dich nur auf Gitterrosten mit Blick auf die Felsen des Steinbruchs unter dir.  

Die Stiftskirche St. Johannisberg - nur ein kurzer Abstecher vom Hildegardweg
Die Stiftskirche St. Johannisberg – nur ein kurzer Abstecher vom Hildegardweg

Der nächste Höhepunkt war ein sprichwörtlicher, denn ein ordentlicher Anstieg führt bis zu den steinernen Mauern des beeindruckenden Schlosses Dhaun. Es liegt nicht direkt am Hildegardweg, aber der Umweg von ca. 2 km (hin und zurück) hat sich wirklich gelohnt. Besonders, wenn man Burgen und Schlösser so liebt wie ich. Der Ausblick über den bunten Herbstwald war wunderbar und es gibt neuerdings sogar einen Hildegard-Garten in den alten Gemäuern der Burg.

Auf dem Schloss Dhaun - ein Abstecher vom Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Outdoor-Kapelle auf Schloss Dhaun

Wieder zurück auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg ging es noch ein wenig durch Wald und über Wiesen. Mein absolutes Highlight war aber der Übergang vom Bergland ins Weinland. Einmal über eine Hügelkuppe geklettert, war alles voll mit bunten Weinbergen. Als dann noch die Sonne rauskam, war ich im siebten Herbsthimmel!

Herbstestimmung in den Weinbergen kurz vor Monzingen - Hildegardweg

Ungefähr 1000 Fotos später konnte ich mich losreißen und verschwand nochmal kurz im Wald, bevor ich mein Etappenziel, das kleine, hübsche Örtchen Monzingen erreichte. 

Blick auf Monzingen - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Meine Unterkunft: 

In der Weinregion Naheland werden vor allem von den vielen Winzern vor Ort Unterkünfte angeboten. Ich durfte im Weingut Alt übernachten und am Morgen beim Frühstück mit Frau Alt ein bisschen Pilgerschnack austauschen. Auch sie ist etappenweise immer mal wieder auf Pilgerwegen unterwegs. Es ist immer schön, Gleichgesinnte zu treffen. Zum Abendessen war ich im Restaurant Stadtmühle und habe mich auch ein wenig durch die Weinkarte probiert.

 TIPP:  Am Nahe-Skywalk kannst du im Landhaus St. Johannisberg einkehren und sogar ein Hildegard-Gericht extra für Pilger zu dir nehmen. 

Monzingen bei Nacht - Hildegardweg
Monzingen bei Nacht

Etappe 4 – von Monzingen zum Kloster Disibodenberg (14km / 110m hoch / 135m runter)

 

Nachdem ich meinen Hildegard-Stempel in der Bäckerei in Monzingen abgeholt habe, ging es vorbei an schönen Fachwerkhäusern und der Kirche wieder hinaus in die Weinberge.

Diese leuchteten in den schönsten Farben und ich konnte mich mal wieder kaum sattsehen. Irgendwann erreichte ich Bad Sobernheim, wo ich im Rewe erstmal mein Snackpack mit allerlei Süßigkeiten auffüllte. Dies war auch der erste Supermarkt, der direkt an der Strecke lag. 

Weinberge auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Gut gestärkt schlenderte ich weiter durch das Städtchen, vorbei am Campingplatz und einer der großen Attraktionen von Bad Sobernheim: dem Barfußpfad. Leider war dieser saisonbedingt schon geschlossen, ist aber sicher ein schönes kleines Abenteuer mit Hängebrücke und Flussfurt. 

Nach und nach näherte ich mich dem eigentlichen Highlight dieser Tour: dem Disibodenberg. Der Hildegardweg führt durch den Ort Staudernheim immer steiler nach oben, bis man schließlich den Parkplatz und das kleine Museum im Eingangsbereich des ehemaligen Klosters erreicht. Hier gibt´s auch Kaffee, Kuchen und einen Pilgerstempel. 

Aufstieg zum Disibodenberg - Hildegardweg
Aufstieg zum Disibodenberg

In dem alten Benediktinerkloster hat Hildegard von Bingen fast 40 Jahre lang gewirkt und gelebt. Heute sind nur noch Ruinen übrig, die aber noch immer ziemlich eindrucksvoll zeigen, wie groß dieses Kloster einmal war. Ich habe mich ein wenig von hinten rein geschlichen (den Eintritt kann man auch im Nachhinein unten bezahlen) und war schwer beeindruckt von den überwachsenen Gebäuderesten. Irgendwie konnte ich an diesem Nachmittag das Ganze jedoch nicht so richtig auf mich wirken lassen. Und so war für mich schnell klar, dass ich am nächsten Morgen zurückkehren würde. 

Winzerkatze Erika will auch einen Schluck Wein - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Erika – eine echt Winzerkatze halt

Da ich in Staudernheim keine Unterkunft bekommen habe, ging es mit einem Transfer nach Schlossböckelheim, wo ich auf dem Felsenberghof der Familie Juchem erstmal von Erika (einem sechs Wochen alten Babykätzchen) und einem Gläschen Wein begrüßt wurde. Den Abend verbrachte ich zuerst in der Probierstube dieses unglaublich sympathischen Familienweinguts mit leckerem Pilgeressen (Eierquark mit Pellkartoffeln), noch mehr Wein und guten Gesprächen. Danach gönnte ich mir ein ausgiebiges Bad in der tollen Eckbadewanne in meinem Zimmer. Ach, das süße Pilgerleben… 

Pellkartoffeln mit Eierquark - das perfekte Pilgeressen auf dem Hildegardweg
Pellkartoffeln mit Eierquark – das perfekte Pilgeressen

Meine Unterkunft: 

Der Felsenberghof ist ein traditionelles Familienweingut. Der Fokus liegt hier ganz klar auf der Idee von ‘Familie’. Die Gäste werden hier so herzlich empfangen und ganz natürlich integriert. Der Weingenuss kommt auch nicht zu kurz und du kannst an einer Weinprobe oder Kellerführung teilnehmen. Ich habe zwei Nächte auf dem Felsenberghof von Familie Wagner-Juchem verbracht und der Abschied fiel mir sehr schwer. Eine absolute Herzensempfehlung! 

 TIPP:  Auf keinen Fall die kleine Hildegardkapelle auf dem Disibodenberg verpassen. Eine Kapelle mit Panoramafenstern! Dieser schlichte Neubau fügt sich wunderbar in die Umgebung ein und ist ein Ort der Ruhe mit weitem Ausblick über die Umgebung.  

Hildegard-Kapelle am Kloster auf dem Disibodenberg - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Blick durch die Panoramafenster der Hildegard-Kapelle

Etappe 5 – vom Disibodenberg nach Schlossböckelheim (16km / 305m hoch / 345m runter)

 

Ein Ende und ein Anfang. Schon gestern Abend stand ich hier oben auf dem Disibodenberg. Um mich herum eine Horde von Kindern, einige Seniorinnen, die schnatternd über die Mauerreste kletterten, eine Delegation von Geschäftsreisenden, die die berühmte Klosterruine, auf der Hildegard von Bingen ihr halbes Leben verbracht hat, von ihrer Liste streichen wollten. Auch ich war ein wenig im Stress, denn ich hatte noch einen Termin unten im Museum. 

So nahm ich die besondere Stimmung dieses Ortes zwar wahr, hatte aber nicht die rechte Ruhe, sie wirklich auf mich wirken zu lassen. Deshalb stand für mich fest, dass ich am nächsten Tag hierher zurückkommen werde. 

Disibodenberg im Nebel - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Nebelmorgen auf dem Disibodenberg

Und so stehe ich nun heute morgen um kurz nach 9 Uhr am Fuße des Disibodenberg und gehe den gleichen Weg wie gestern. Nur diesmal ist die Umgebung, die Weinberge und der Ort Odernheim in dichten Nebel gehüllt, keine Menschenseele zu sehen.

Ich nähere mich den Ruinen, erblicke die ersten Steine im Dunst des Morgens und ich bin einfach nur glücklich und dankbar, hier sein zu können. An diesem nebligen Sonntagmorgen im Oktober. Und ich bin froh, dass der Disibodenberg gestern für mich nicht nur das Ende von meiner Etappe war, sondern dass er vor allem ein Anfang ist. Der Anfang meiner heutigen Etappe genauso wie er ein Anfang war für Hildegards Weg allein zu ihrem eigenen Kloster. Nach fast 40 Jahren als Leiterin des Frauenklosters innerhalb des Benediktinerklosters auf dem Disibodenberg hat sie sich durchgesetzt und sich aufgemacht in Richtung Bingen, um dort ein eigenes Frauenkloster zu bauen. 

Weiter geht´s im strahlenden Sonnenschein auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Weiter geht´s im Sonnenschein

Nach fast drei Stunden in den nebligen Ruinen kam langsam die Sonne heraus und ich machte mich auf den Weg Richtung Schlossböckelheim. Mittlerweile im strahlenden Sonnenschein durchquerte ich verschiedene kleine Ortschaften, ging berghoch und bergrunter und hatte immer wieder tolle Blicke auf die Landschaft. Ganz wunderbar waren die Abendstunden, in denen die Weinberge im Nahetal wie pures Gold in der Sonne strahlten. Was für eine schöne Etappe. Abgerundet wurde sie durch einen noch schöneren Abend in der Weinstube des Felsenberghofs. 

Meine Unterkunft:

Ich habe zwei Nächte auf dem Felsenberghof verbracht. Ganz unkompliziert wurde ich gestern am Disibodenberg abgeholt und heute Morgen hat mich Winzersohn Jannik wieder zurückgebracht, damit ich auch wirklich keinen Meter des Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderwegs verpasse. 

 TIPP:  Nimm dir ein bisschen Zeit für einen Spaziergang durch das sehr hübsche und sogar preisgekrönte Örtchen Duchroth, wo du auch bei verschiedenen Winzern einkehren kannst. Solltest du keine Lust auf eine Gastwirtschaft haben, so kannst du dich am Wanderkühlschrank bedienen (Kasse des Vertrauens), der neben einer gemütlichen Sitzecke direkt am Weg steht. Besonders im Sommer eine sicher sehr willkommene Erfrischung. 

Wanderkühlschrank in Duchroth - Hildegardweg

 

Etappe 6 – von Schlossböckelheim nach Sommerloch (18km / 380m hoch / 250m runter)

 

Der Morgen auf dem Felsenberghof begann ’spirituell‘. Bei einer Kellerführung mit Jungwinzer Jannik gab es kurz nach dem Frühstück erstmal ein Schlückchen vom neuesten Spätburgunder und einen Sipp vom noch nicht ganz fertigen Weinbrand, der noch 70% hatte. Auwei… 

Ein bisschen später als geplant machte ich mich dann auf in Richtung meines ersten Highlights: Burg Sponheim. Auf dem Weg dahin konnte ich mal wieder erleben, wie der Nebel zuerst alles einhüllte und nur nach und nach die Landschaft um mich herum freigab. So schön, wie die Schwaden durch das Nahetal zogen! 

Nebel im Nahetal Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

An der Burg Sponheim, wo Hildegard von Bingen im Alter von 8 Jahren ihrer geistlichen Mentorin Jutta übergeben wurde, machte ich nur eine kleine Pause. Leider steht nur noch der Turm der Burg, wo ich mir auch noch schnell einen Pilgerstempel ins Heftchen drückte. 

Burg Sponheim am Hildegardweg
Burg Sponheim vom Hildegardweg aus

Mehr Zeit verbrachte ich ein paar Kilometer weiter am Kloster Sponheim. Bei einer kurzen Führung durch die Klosterkirche und über das Gelände bekam einen guten Eindruck von dem Leben der Mönche in der damaligen Zeit. Zwar war Hildegard hier wahrscheinlich nie direkt unterwegs, doch wurde sie von dem bekanntesten Abt des Klosters verehrt und somit immer wieder auch in seinen Schriften erwähnt, auch wenn er es mit der Wahrheit nie so genau nahm… Ein ganz besonderer Moment während meiner Führung war eine vollkommen überraschende und deshalb umso beeindruckendere gregorianische Gesangseinlage meines Guides in der Klosterkirche. Was für eine Akustik! 

Kloster Sponheim am Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Kloster Sponheim

Langsam wurde es jedoch spät und ich trat die letzten Kilometer bis zu meinem Übernachtungsort Sommerloch an, der zwar nicht direkt am Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg liegt, aber mit nur 1 km Umweg schnell erreicht ist. Unterwegs machte ich noch einmal Pause. Das war mir in den letzten Tagen schon zur schönen Gewohnheit geworden: im Abendlicht kurz hinsetzen, die Reste von meinem Lunchpaket essen und einfach mal entspannen. Herrlich! 

Meine Übernachtung: 

In der Wirtschaft des Weinguts Tullius habe ich nicht nur in einem schönen, neu renovierten Zimmer übernachtet, sondern auch im Kreise der Stammtischbrüder und -schwestern ein deftiges Abendessen mit einem guten Gläschen Wein genossen. Eine ordentliche Portion Lokalkolorit gab´s obendrauf. Es war ein bisschen wie eine Reise in eine längst vergangene Zeit…

 TIPP:  Waldböckelheim ist ein größerer Ort, in dem es auch ein Apotheke, mehrere Einkehrmöglichkeiten und auch einen Supermarkt direkt am Hildegardweg gibt. Hier kannst du also prima deine Vorräte aufstocken, falls nötig. 

Hildegardweg unterwegs
Unterwegs auf dem Hildegardweg

 

Etappe 7 – von Sommerloch nach Stromberg (19km / 410m hoch / 460m runter)

Da Sommerloch nicht direkt am Hildegardweg liegt, musste ich erstmal einen Kilometer Zuweg zum Weg laufen. Das ist aber gar nicht schlimm, wenn der Weg durch leuchtende Weinberge geht und die Sonne einem ins Gesicht scheint.

Es hieß auch erstmal Abschied nehmen vom Wein, denn heute führte mein Weg durch den Wald und näherte sich nach und nach der wunderschön gelegenen Dalburg. Meine Mittagspause fiel dann auch ein bisschen länger aus, weil ich mich mal wieder nicht von der urigen Burgruine losreißen konnte.

Auf der Dalburg am Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Auf der Dalburg

Doch es wartete noch ein ganz besonderer Höhepunkt auf mich: Das Kloster Spabrücken mit seiner wunderschönen Kirche und der berühmten Schwarzen Madonna vom Soon. Die Kirche wurde erst vor ein paar Jahren frisch renoviert und erstrahlt in ganz tollen Farben. Das Kloster selbst wird seit 1989 von den ‘Schwestern des gemeinsamen Lebens’ bewohnt. 

In der Klosterkirche Spabrücken direkt am Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Die Schwarze Madonna vom Soon in Spabrücken

Obwohl meine Unterkunft für den heutigen Tag in Spabrücken ist, gehe ich noch ein bisschen weiter bis Stromberg. Über Wiesen und Felder erreiche ich aber zunächst das Örtchen Schöneberg. Da ich mich ein wenig verfranzt hatte, habe ich leider die Eremitage kurz hinter Spabrücken verpasst. Denn von Spabrücken aus läuft der Hildegardweg parallel mit dem Drei-Madonnen-Weg: Die ‘Schwarze Madonna vom Soon’ in Spabrücken, die Madonna das Eremiten von Hergenfeld und die ‘Madonna von Stalingrad’ in der Kirche von Schöneberg. Da ich mich auf meiner Pilgerreise voll und ganz auf Hildegard von Bingen konzentrieren möchte, ziehe ich allerdings den wunderschönen Hildegard-Kräutergarten den dunklen Kirchgemäuern vor und verbringe eine ausgedehnte Pause zwischen Hirschzungenfarn, Gundermann und Gänsefingerkraut.

Der Hildegard-Kräutergarten in Schöneberg - Hildegardweg
Der Hildegard-Kräutergarten in Schöneberg 

Am Ende meiner Wanderung in Stromberg angekommen, hat mich schon das Ehepaar Resch mit ihrem Auto erwartet, um mich zurück nach Spabrücken in ihre gemütliche Familienpension zu bringen. Den Abend ließen wir dann gemeinsam im Gasthaus ausklingen und ich konnte von den beiden noch einiges über den Wallfahrtsort Spabrücken und die Region lernen. 

Meine Unterkunft: 

Die Pension Resch ist schon eine Institution in Spabrücken. Seit vielen Jahren beherbergen die Eheleute Resch ‘normale’ Touristen, aber auch Hildegardpilger. Mit ‘ihren Pilgern’ macht Frau Resch auch gerne noch eine kleine Privatführung durchs Kloster, bietet Transfers an (auch zum Abendessen) und ist ansonsten mit vollem Herzblut Pensionswirtin. Buchen kannst du die Pension nur telefonisch über: 06706-8965

 TIPP:  Nicht den Pilgerstempel in Spabrücken verpassen! Du findest ihn neben dem Schaukasten mit den Gemeindeankündigungen vor der Klosterkirche nicht direkt am Weg (dieser führt rechts am Kloster vorbei).

Blick auf das Kloster Spabrücken am Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Blick auf das Kloster Spabrücken direkt vom Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

Etappe 8 – von Stromberg nach Bingen am Rhein (20km / 390m hoch / 530m runter)

 

Nach einem leckeren Frühstück ging es wieder mit dem Auto der Reschs nach Stromberg, von wo ich meine letzte Etappe auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg starten konnte. 

Der Weg nach Bingen hatte dann auch noch ein paar sehr schöne Augenblicke für mich in petto. Besonders toll fand ich die Steckeschlääferklamm. Diese ist nicht nur ein wirklich wunderbarer Abschnitt mit vielen Holzbrücken über den Hasselbach, der für mich im herbstlichen Sonnenlicht funkelte, sondern auch ganz zauberhaften Schnitzereien in den Bäumen. Es macht echt Spaß, sich auf die Suche nach den freundlichen Baumgeistern zu machen, die sich manchmal tief in den Wurzeln und Ästen verstecken. 

Baumgeister in der Steckeschlääferklamm auf dem Hildegardweg
Baumgeister in der Steckeschlääferklamm

Ein äußerst erhebender Moment war dann der erste Blick auf den Rhein. Was für ein mächtiger Fluss! Nun konnte es nicht mehr weit sein, Bingen liegt ja schließlich an der Stelle, wo die Nahe, der ich nun etliche Tage gefolgt war, in den Rhein fließt. Ich gönnte mir noch eine ausgiebige Pause auf einer der bequemen ‘Wellenbänke’ und machte mich schließlich an den Abstieg in die Stadt.

Blick auf den Rhein bei Bingen vom Hildegardweg

Und dann hieß es: Angekommen! 

Ich habe Bingen nach gut 150 km (der eine oder andere Umweg war dann wohl doch dabei…)  auf dem Hildegardweg erreicht. Es war keine besonders lange Pilgerreise, aber es war eine Reise, die mir Hildegard von Bingen nahe gebracht hat. Ich bin auf Pfaden gelaufen, auf denen sie sich vor fast 1000 Jahre bewegt hat und an dem Ort angekommen, an dem auch sie mit ‚ihren‘ Frauen angekommen ist, um ihr eigenes Kloster zu gründen. Von dem Frauenkloster auf dem Rupertsberg in Bingen ist leider nicht mehr viel übrig. Aber Hildegard schwingt hier noch durch jede Gasse. 

Abendstimmung am Freidhof in Bingen - Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg
Abendstimmung am Freidhof in Bingen

Doch der Höhepunkt und das eigentliche Ende der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderwegs steht mir noch bevor: die St. Hildegard-Abtei in Eibingen auf der anderen Rheinseite. Aber jetzt erstmal ausruhen, morgen ist schließlich auch noch ein Tag. 

Meine Unterkunft:

Ich habe meine letzten beiden Nächte auf dem Hildegardweg im Hotel Würth am Freidhof verbracht und bin noch immer ganz beseelt. Der Aufenthalt da ist ziemlich perfekt: Das Hotel befindet sich in einem modernen Neubau, der sich aber nahtlos in die benachbarten Altbauten einreiht und Blick auf die Basilika von Bingen und den Rhein bietet. Dazu kann man mit dem Fahrstuhl bis ganz nach oben fahren und es sich auf der gemütlichen Dachterrasse bequem machen. Das Hotel ist total modern und geschmackvoll eingerichtet, doch fühlt man sich sofort wie in einer familiengeführten kleinen Pension, wenn einen Frau Würth persönlich mit Namen begrüßt und mit allem hilft, was man braucht. Das Frühstück ist der Knaller und ich werde auf jeden Fall zurückkehren in dieses liebevolle Schmuckstück. 

 TIPP:  Ich bin es ja gewohnt, in Spanien zu pilgern und eine Pilgerreise mit einem leckeren Essen in Santiago de Compostela zu beenden. Deshalb habe ich mir auch zum Abschluss des Hildegardwegs ein Essen im Tapas-Restaurant La Casita gegönnt. Und es gab sogar Pulpo a la Gallega. Lecker! Reservierung ist zu empfehlen.

Tapas in Bingen - Hildegardweg
Pulpo a la Gallega auch auf dem Hildegardweg

Etappe 9 – von Bingen am Rhein zur St. Hildegard-Abtei in Eibingen (7km / 165 hoch / 165 runter)

 

Die Abtei St. Hildegard in Eibingen liegt in dichtem Nebel, als ich mich ihr nähere. Wieder ein Kloster, dass ich im mystischen Wolkendunst erleben darf. Dazu musste ich aber erstmal irgendwie auf die andere Rheinseite von Bingen nach Rüdesheim kommen. Da die Personenfähre saisonbedingt schon eingestellt war, lief ich ein paar extra Meterchen am Fluss auf und ab, bis ich den Anleger für die Autofähre gefunden hatte, die auch Personen befördert. 

Mein Ziel am anderen Rheinufer konnte ich nur erahnen, so dicht war die Nebelsuppe. Und ich hatte schon am Morgen das dumpfe Gefühl, dass sich dieser Schleier nicht so schnell lichten würde. 

Abtei St. Hildegard in Eibingen - Hildegardweg

Das machte mir aber erstmal gar nix und ich schob mich mit einem ganzen Reisebus amerikanischer Touristen durch die berühmte Drosselgasse. Froh war ich, diesen rheinischen Ballermann schnell hinter mir zu lassen und den letzten Anstieg auf dem Rüdesheimer Hildegardweg in Angriff zu nehmen. So ganz ohne Gepäck waren die 150 Höhenmeter ein Klacks und schon stand ich vor der imposanten Abteikirche, dem Wahrzeichen des Benediktinerinnenklosters St. Hildegard. Das Innere hat mich dann gleichermaßen überrascht und beeindruckt. 

Klosterkirche Abtei St. Hildegard

Da die Kirche erst Anfang des 20.Jahrhunderts gebaut wurde, hat die Innengestaltung im Beuroner Stil nichts mit den üblichen kirchbarocken Sahneträumen zu tun, sondern ist klar, hell und verhältnismäßig schlicht. Besonders die tollen Wandmalereien haben es mir angetan. An der linken Seitenwand der Kirche findet man Darstellungen aus dem Leben Hildegard von Bingens und es ist toll, hier noch einmal an die einzelnen Stationen des Hildegardwegs erinnert zu werden. 

Wandmalerei in St.Hildegard-Abtei

Das Kloster selbst kann leider nicht besichtigt werden aus Respekt vor der Privatsphäre der fast 50 Nonnen, die hier noch leben. Dafür ist der Inforaum im Klosterhof aber auf neugierige Besucher:innen vorbereitet und zeigt das klösterliche Leben in Videos und anhand von Bildern und Texten. Hier gibt es auch den allerletzten Stempel im Pilgerpass. Und damit ist die Pilgerreise auf dem Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg endgültig beendet. 

The last Stamp - das offizielle Ende des Hildegardweges
The last stamp – das offizielle Ende des Hildegardweges

Zur Feier des Tages bin ich dann noch im Klostercafé eingekehrt und habe mich an einen ziemlich undefinierbaren, aber leckeren Hildegard-Dip gewagt. Noch ein kurzer Besuch im Klosterladen und dann machte ich mich wieder an den Rückweg. 

Hildegard-Dip im Klostercafé
Hildegard-Dip im Klostercafé

Dieser führte mich aber noch über einen anderen Ort, der vielleicht der eigentliche Schlusspunkt einer Auseinandersetzung mit Hildegards Leben darstellt. Noch vor ein paar Tagen war ich an ihrem (vermeintlichen) Geburtsort Niederhosenbach und nun stand ich in der Wallfahrtskirche St. Hildegard unterhalb der Abtei vor einem aufwendig verzierten Schrein, in dem die sterblichen Überreste der Heiligen Hildegard liegen. Ich zündete eine Kerze an. Für Hildegard und für alle anderen, an die ich mich erinnern möchte. 

Hildegardschrein in der Wallfahrtskirche St. Hildegard
Hildegardschrein in der Wallfahrtskirche St. Hildegard

Wieder auf der anderen Rheinseite in Bingen besuchte ich noch das Museum am Strom, wo ich noch so manche Antwort auf meine Fragen zum Leben von Hildegard von Bingen fand.

Es ist immer ein merkwürdiges Gefühl, wenn der Weg, dem man über viele Kilometer gefolgt ist, ein Ende nimmt. Gerade bin ich richtig angekommen in meiner Pilgerreise auf dem Hildegardweg und schon muss ich mich wieder von den bunten Wäldern, uralten Gemäuern und von Hildegard verabschieden. Das ist ein bisschen traurig, aber dann auch irgendwie nicht. Ich bin so froh und dankbar, dass ich hier sein und mich mit dieser interessanten Frau beschäftigen konnte. Die wunderschöne Natur war ein Bonus, die lieben Menschen unterwegs der Zuckerguss auf meiner Pilgertorte. Danke!

Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg

 

 

“Die einen sind vielleicht spirituell unterwegs und können dabei eine sportliche Erfahrung machen; andere sind eher sportlich unterwegs und können eine spirituelle Erfahrung machen. Beide können hoffentlich Hildegard zustimmen: O quam mirabilis – Wie wunderbar!”Dr. Anette Esser, Scivias-Institut für Kunst und Spiritualität e.V.

 

 

 

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