Jakobsweg
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DEN Jakobsweg gibt es nicht – oder doch?

Ich tue mich schwer, den richtigen Artikel zu wählen, wenn ich darüber spreche, dass ich pilgernd unterwegs bin. Bin ich dann auf DEM Jakobsweg, so als gäbe es nur genau einen? Oder bin ich auf EINEM Jakobsweg, einem der vielen, die es gibt. Meistens versuche ich aber ganz schnell zu erklären, dass ich noch nie auf dem „klassischen“ Jakobsweg unterwegs war, auf dem von Hape Kerkeling. Das verstehen einige Leute, aber bei vielen sehe ich Fragezeichen in den Augen.
Ja, es gibt´s viele Jakobswege.
Oder doch nur einen?
Das ist die Frage.
Nach Santiago auf dem Jakobsweg

Nach Santiago

Eins steht fest: Wenn wir über den Jakobsweg, den Camino de Santiago sprechen, dann gibt es eine Million Wege, aber nur ein Ziel.
Santiago de Compostela in Galizien im Westen Spaniens.

Und natürlich kann es nicht nur genau einen Weg geben. Denn der Jakobsweg beginnt für jeden individuell.

Er begann für die mittelalterlichen Pilger direkt an ihrer Haustür.
Und je nachdem, wo das Haus zu der Tür stand, war das irgendwo im heutigen Deutschland, vielleicht in Hamburg oder in Berlin oder Erfurt oder Regensburg.
Oder es war in Polen oder den Niederlanden oder England.  
Egal, wo die Leute damals starteten, alle waren auf dem Weg nach Santiago.
Alle waren auf dem Jakobsweg.
Pilger auf dem Jakobsweg

Pilger

Aus allen Richtungen kamen sie und natürlich entwickelten sich Standardrouten. Einige sind heute noch bekannt und es kommen immer neue Verläufe dazu. Sie wurden und werden über die Jahre wiedergefunden, markiert und neu begangen. Von den modernen Pilgern.

Der bekannteste Weg ist noch immer der Camino Frances, der französische Jakobsweg. Das ist erstmal ein bisschen verwirrend, weil der Weg nur ein paar Kilometer durch Frankreich geht, der größte Teil jedoch in Spanien verläuft. Der Camino Frances kanalisiert alle Pilger, die vom europäischen „Festland“ auf die iberische Halbinsel drängen.
Und es scheint wirklich ein Drängen und Schieben und Drücken zu sein, da pro Jahr mittlerweile über 170 000 Pilger den Camino Frances gehen.
Mich haben diese Zahlen immer abgeschreckt und ich bin bis heute nicht auf dem Klassiker unterwegs gewesen. Vielleicht tue ich dem Weg Unrecht, aber es gibt einfach zu viele tolle Alternativen. Ich zeige euch heute mal ein paar, nicht alle bin ich schon selbst gelaufen, aber sie stehen auf meiner Liste ziemlich weit oben.
Gelbe Pfeile auf dem Jakobsweg

Gelbe Pfeile

Caminho Português – der Schnupperweg

Kann ich das? Schaffe ich das? Traue ich mich das?
Diese Fragen stehen für viele am Beginn ihrer Pilgerreise.
Der Portugiesische Jakobsweg ist der perfekte Einstieg in diese Art des Unterwegsseins. Er ist relativ kurz, die Etappenlängen sind für jeden machbar, es gibt viele liebevoll betriebene Herbergen und er ist einfach wunderschön.
Eigentlich beginnt der Weg in Lissabon, aber die meisten Pilger gehen ihn von Porto aus. Auf circa 250km führt der Caminho Português durch Portugal und Spanien. In 2 Wochen lernst du also 2 Länder kennen und mich hat damals am meisten fasziniert, wie stark sich doch die Portugiesen von ihren spanischen Nachbarn unterschieden.
Und ich habe beide Länder sehr genossen. 
Mittlerweile gibt es auch die Variante „da Costa“, bei der man mehr als die Hälfte der Strecke an der Küste entlang geht.
Caminho Portugues

Caminho Portugues

Via de la Plata – die wunderschöne Herausforderung

Ok, eine Herausforderung ist wahrscheinlich jeder Jakobsweg in verschiedensten Aspekten.
So lange laufen am Stück, das Schlafen in den Herbergen, mit sich allein sein und doch so eng mit fremden Menschen ‚leben‘, Sonne, Wind, Regen und und und… 
Und trotzdem ist die Via de la Plata die Königin der Herausforderungen.
Sie lockt dich zuerst ins wunderschöne Sevilla, um dich dann durch traumhafte Dehesas mit einer Milliarde Blumen wandeln und bald darauf in der Dürre der Extremadura fast verdursten zu lassen. Die Etappen sind lang, oft gibt es auf 30km keine Möglichkeit für eine Einkehr. 
Nur du und die Sonne und ab und zu ein paar Ziegen und Bauern.
Immer wieder führt sie dich auch in steinalte urgemütliche Städtchen voll mit Geschichte und Leben und sie zeigt dir ihre grünen Berge und Hügel, bevor du endlich Santiago erreichst und weinend in der Pilgermesse der großen Kathedrale stehst und dir bewusst machst, dass du diese 1000km lange Herausforderung geschafft hast.
Du bist stolz und fix und fertig.
Via de la Plata

Via de la Plata

Camino del Norte – der Tourist unter den Jakobswegen

„Ne, ich bin nicht zum Pilgern hier, ich mache einfach 2 Wochen Urlaub mit ein bisschen Wandern.“
Ich glaube, mit dieser Intention gehen viele Leute auf den Camino del Norte.
Gelockt von der Aussicht auf einen 850km langen Wanderweg am Meer entlang entscheiden sich besonders viele jüngere Leute für den Küstenweg im Norden Spaniens. Dass dieser letztendlich nicht wirklich die kompletten 850km direkt an der Küste verläuft und wegen seiner vielen Höhenmeter auch alles andere als Urlaub ist, können die meisten dem Camino del Norte ganz schnell verzeihen. Denn die Etappen, die tatsächlich am Meer und wenn du willst sogar direkt am Strand entlang gehen, sind einige der schönsten Strecken, die ich bis jetzt gelaufen bin.
Aber auch die Berge, das viele Hoch und Runter und immer wieder die Ausblicke auf den gewaltigen Atlantik sind unvergesslich.
Dazu kommen noch einige kulturelle Highlights.
Pintxos (baskische Variante von Tapas) in San Sebastian, das großartige Guggenheim-Museum in Bilbao, die im Camino integrierte Fährfahrt nach Santander und noch so viel mehr. 
Und am Ende werden auch die größten Touristen noch zu Pilgern. Denn es ist sicher bei den wenigsten eine Begegnung mit Gott, die den Unterschied zum normalen Urlaub macht, sondern die Menschen und die Natur und der Weg sind es, die uns verändern und in uns bleiben.
Herbergen - Begegnungsstätten auf dem Jakobsweg

Herbergen – Begegnungsstätten auf dem Jakobsweg

Camino Primitivo – der Königsweg

Für viele Pilger auf dem Camino del Norte stellt sich früher oder später die Frage, ob sie auf dem Küstenweg bleiben oder kurz vor Gijon auf den Camino Primitivo wechseln sollen.
Er ist der wahre Königsweg und gilt als einer der schwierigsten, aber auch schönsten Jakobswege.
Schon im 9. und 10. Jahrhundert wurde diese Strecke als Pilgerweg genutzt, sein erster „Begeher“ war Alfonso II., der sich schon kurz nach der Entdeckung des Apostelgrabes auf den Weg nach Santiago de Compostela machte.
Heute sind auf diesem ursprünglichen Jakobsweg noch immer verhältnismäßig wenig Leute unterwegs, da die Etappen recht lang und anspruchsvoll sind. An manchen Tagen sind über 1000 Höhenmeter zu schaffen und so sind die ca. 330km eine gute Mischung aus Pilgertour und Bergwanderung.
Muschel und Pfeil

Muschel und Pfeil

Camino Ingles – der Kurze für zwischendurch

Die wenigstens können mal einfach so weg, wie es uns der liebe Hape in seinem Buch vormacht. Für viele ist schon die Planung einer Pilgerreise mit mehr als drei Wochen Zeit am Stück eine Herausforderung.

Aber da es eben nicht nur den einen Jakobsweg gibt, ist sowohl für jeden Fitnessgrad, als auch für alle möglichen Zeitspannen was dabei.
Der ‚Englische Weg‘ ist ein Beispiel für einen in sich abgeschlossenen Camino, den du locker in einer Woche gehen kannst und dazu noch eine wunderbare Mischung aus Meer und Bergen bekommst. Und oben drauf kommt ein richtiger Pilgerabschluss in Santiago.

Hier findest du meinen Erfahrungsbericht über den Camino Inglés.

Kathedrale von Santiago

Kathedrale von Santiago

Wem diese 120km noch nicht genug sind, der kann ja dann immernoch nach Finisterre – ans Ende der Welt – laufen und in den Atlantik springen.

Camino del Salvador

Hier kommt mal was ganz besonderes. Ein Jakobsweg, der erstmal gar nicht so aussieht.
Nur 120km lang beginnt er in Léon und endet NICHT in Santiago de Compostela, sondern in Oviedo.
Der Camino del Salvador ist ein Verbindungsweg zwischen dem Camino Primitivo und dem Camino Frances und geht durch die wunderschöne Bergwelt der Picos de Europa. Dieser Weg ist wirklich einsam, du wirst kaum andere Pilger treffen und solltest den Weg nicht unbedingt allein gehen, da er durch´s Gebirge führt.
Früher gingen die Leute den Weg, um zuerst die Kathedrale von Oviedo mit ihren vielen heiligen Relikten gesehen zu haben, bevor sie weiter nach Santiago pilgerten.
Ein Sprichwort sagt: „Der, der nach Santiago reist und nicht nach Salvador [die Kathedrale von Oviedo], der besucht den Diener und nicht den Herren.“
Animo!

Animo!

Gibt´s noch mehr?

Das war mal ein kurzer Einblick in die große Welt der Jakobswege.
Die meisten, die ich hier vorgestellt habe, verlaufen durch Spanien, aber wer keine Lust auf Tapas, Paella und Wein hat, kann genauso gut durch Österreich, die Schweiz, Frankreich, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, etc. pilgern.
Und eigentlich braucht es auch nicht immer eine gelbe Muschel, der man folgen kann.
Der Weg bist du und du bist der Weg.
Also gibt es vielleicht doch DEN einen Jakobsweg?
Deinen ganz persönlichen…
Wenn du jetzt am liebsten gleich loslaufen willst, dann schau doch mal bei meiner Packliste vorbei. Vielleicht bekommst du noch ein paar Ideen, was so in den Pilgerrucksack reinkommt.
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    2 Comments

  1. Ja. Es gibt noch mehr. Z.B. die Via Lusitana, die auf mich wartet, beginnt in Faro und verläuft neben der Grenze zu Spanien n. SdC auf ca. 1.000 km. Anfang März soll es am schönsten sein, diesen Weg zu gehen, wenn die Blumen anfangen sich zu zeigen. Allerdings die ersten 500 km keine Herbergen. Wer kommt mit?

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    • Oh jaaa,von der habe ich auch schon gehört. Klingt toll!!! Hast du dich schon über Unterkunftsalternativen für die ersten 500 informiert? Auf dem Portugues von Lissabon aus kann man ja z.B. auch bei den Bomberos (Feuerwehr) unterkommen.

      Antworten

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